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Beitragsreihe Medizin

Prof. Dr. Peter Walter

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Das Studium der Medizin

Die Zulassung in allen drei medizinischen Fächern erfolgt über die Zentralstelle zur Vergabe von Studienplätzen ZVS (www.zvs.de). Diese führt im Auftrag das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) durch.
Das Auswahlverfahren variiert von Standort zu Standort. Wichtigster Parameter in den Auswahlverfahren ist die Abiturdurchschnittsnote. Häufig werden die Ergebnisse von Auswahlgesprächen und spezifische Vorleistungen wie Berufsausbildungen in medizinischen Assistenz- oder Pflegeberufen berücksichtigt. Insgesamt werden im Wintersemester derzeit 8492 (WS) bzw. 1555 (SS) Studienplätze in Medizin, 1483 (WS) bzw. 556 (SS) in Zahnmedizin und in Tiermedizin 1039 (nur WS) vergeben.



Ablauf des Studiums (1. bis 5. Jahr)



Das Studium der Medizin kann nur an Universitäten durchgeführt werden (siehe Tabelle 1). Grundlage für das Studium der Medizin, der Zahnmedizin und der Tiermedizin sind die Approbationsordnungen dieser Fächer. Sie regeln die Ziele und Inhalte der Ausbildung. Die Approbationsordnungen sind auf den Webseiten des Bundesgesundheitsministeriums (www.bund.bmg.de) herunter zu laden. In einem ersten Studienabschnitt werden die Grundlagen der Medizin (sog. vorklinische Fächer) unterrichtet. Hierzu gehören Biologie, Physik, Chemie sowie Medizinische Psychologie und Soziologie. Im zweiten Abschnitt werden dann die klinischen Fächer und ihre Basis- bzw. Querschnittsfächer unterrichtet. Hierzu gehören die Pathologie, die klinische Chemie, die Mikrobiologie, die Radiologie, die Pharmakologie, die Augenheilkunde, die Chirurgie, die Innere Medizin, etc.



Tabelle 1. Standorte zum Studium der Medizin, Zahnmedizin und Tiermedizin
Tabelle 1: Standorte
Standorte zum Studium der Medizin, Zahnmedizin und Tiermedizin (M Modellstudiengang, R Regelstudiengang)




Das Studium besteht in den ersten fünf Jahren aus einem Mix an Vorlesungen, Seminaren und praktischen Übungen. Diese Kurse werden dann meist in Kleingruppen durchgeführt, wobei die Gruppengröße zwischen vier und 20 schwanken kann. Man versucht an vielen Standorten bereits zu einem frühen Zeitpunkt des Studiums klinische Bezüge zu Krankheiten herzustellen und problemorientiertes Lernen einzuführen.



Tabelle 2. Ausbildungs- und Prüfungsinhalte des Regelstudiengangs Medizin
Tabelle 2: Ausbildungs- und Prüfungsinhalte
Ausbildungs- und Prüfungsinhalte des Regelstudiengangs Medizin




An verschiedenen Standorten wie Aachen oder Berlin haben sich Studienreformen durchgesetzt. Hier erfolgt die Ausbildung in einem standortspezifischen Modellstudiengang. An manchen Standorten wie etwa Aachen sind alle Studierenden im Modellstudiengang, während es Standorte gibt, bei denen Modellstudiengang und Regelstudiengang parallel durchgeführt werden. In den Modellstudiengängen werden die Fächergrenzen zunehmend aufgelöst, der Unterricht erfolgt interdisziplinär und am Fall orientiert.



Während der ersten fünf Jahre haben die Studierenden in der vorlesungsfreien Zeit Praktika in verschiedenen Fächern zu absolvieren, sog. Famulaturen. Hier ergeben sich die wichtigsten Kontakte zu den Fächern, man lernt diese von einer praktischen Seite kennen, die intensiver ist, als während des Studiums mit seinem hohen theoretischen Anteil. Oft führen diese Famulaturen dann zu einer Entscheidung über die spätere Weiterbildungsrichtung.



Das 6. Jahr



Im sechsten Jahr der Ausbildung erfolgt die klinisch-praktische Ausbildung (PJ Praktisches Jahr) in einer Universitätsklinik oder einem Lehrkrankenhaus, das an eine Medizinische Fakultät angeschlossen ist. Es umfasst eine jeweils 16-wöchige Ausbildung in Chirurgie, Innerer Medizin und einem Wahlfach. Während dieser Zeit, ist man als PJler auf den Stationen oder den Ambulanzbereichen der jeweiligen Klinik eingesetzt und kann endlich praktisch tätig sein. Der Umfang der praktischen Tätigkeit und die Betreuungsintensität variieren sehr von Einrichtung zu Einrichtung: Als Studierender sollte man sich entsprechend vorher informieren.



Prüfungen



Während des Studiums wird man sich jeweils zum Semesterende, manchmal aber auch während des Semesters an Prüfungen beteiligen. Die meisten Kurse und Praktika sind scheinpflichtig. Die erfolgreiche und regelmäßige Teilnahme muss bescheinigt werden. Hierzu wird eine Klausur geschrieben oder eine mündliche Prüfung organisiert. Die Prüfung der erfolgreichen Teilnahme eines Kurses obliegt dem Kursleiter.



Daneben sind die staatlichen Prüfungen zu absolvieren. Der erste Abschnitt der Ärztlichen Prüfung besteht aus einem schriftlichen Teil, der in Form von MC-Fragen aus den Fächern der ersten Spalte von Tabelle 2 besteht und einer mündlichen Prüfung zu diesen Themen. Die Durchfallquote der schriftlichen Prüfung des ersten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung lag zuletzt bei 15,6 Prozent. Der zweite Teil der Ärztlichen Prüfung, das sog. Hammerexamen wird am Ende des PJ durchgeführt. Es besteht aus den Inhalten der Spalten 2 und 3 und besteht ebenfalls aus einer umfangreichen mehrtägigen MC-Klausur sowie einer mündlich-praktischen Prüfung, die nochmals vier Fächer beinhaltet. Die Durchfallquote bei der schriftlichen Prüfung lag zuletzt im Mittel bei 4,7 Prozent. Die Prüfungen werden zentral vom Institut für Medizinische und Pharmazeutische Prüfungsfragen erstellt. Die mündlichen Prüfungen werden von den jeweiligen Landesprüfungsämtern organisiert.



Studierende und Patienten



Während der Kurse und praktischen Übungen, aber besonders während Blockpraktika, Famulaturen und Praktischem Jahr ist man als Studierender direkt an der Behandlung von Patienten beteiligt. Das macht den jungen Studienanfänger manchmal etwas unsicher, ist aber die einzige Möglichkeit, ärztliches Handeln zu erlernen. Technische Tätigkeiten, wie etwa Blut abnehmen, Blutdruck messen etc. wird zunächst mal an Phantomen oder an Mitstudenten erprobt, irgendwann aber ist es das erste Mal am Patienten. Die Aufregung gehört dazu. Die patientenorientierte Ausbildung ist das wichtigste Element der Medizinerausbildung. Untersuchungsverfahren und Befunde werden von erfahrenen Mitarbeitern direkt am Patienten demonstriert. Studenten können diese Verfahren dann unter Aufsicht selbst anwenden. Oft ist der Kontakt zwischen Patienten und Studierenden auch für die Patienten erfrischend.



Modell- und Reformstudiengänge



Die Approbationsordnung hat es möglich gemacht, das an einzelnen Standorten Medizinstudiengänge eingeführt wurden, deren Ablauf nicht dem klassischen und etwas verschulten bisherigen Ablauf entspricht, sondern andere Schwerpunkte in der Ausbildung legt. In der Standorttabelle wird aufgeführt, wo ein solcher Modellstudiengang absolviert werden kann. Diese reformierten Studiengänge basieren darauf, den praktischen und interdisziplinären Unterricht stark in den Vordergrund zu stellen.



Beispielsweise lernt der Studierende nicht im ersten Semester die Physik des Kniegelenks, im zweiten Semester die Anatomie des Kniegelenks, im dritten Semester die Physiologie der Reflexbahnen und später die Krankheiten des Kniegelenks in Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie, sondern alle Themen rund um das Knie werden en bloc unterrichtet. Es kommen der Physiker, der Anatom, der Physiologie, der Chirurg und der Orthopäde zusammen und unterrichten das “Knie“ von verschiedenen Blickwinkeln aus. Dazu werden die Studierenden durch Praktika und Übungen stärker in die Kliniken eingebunden. Zusätzlich angebotene Kurse für 'soft skills', spezielle Trainingszentren für praktisch-ärztliches Handeln sowie Fächerkombinationen für Qualifikationsprofile geben den Studierenden die Möglichkeit, sich schon vor dem Studienabschluss in eine der zahlreichen Medizinrichtungen zu bewegen. Trotz des andersartigen Unterrichtes und der damit verbundenen Universitätsprüfungen müssen sich die Studierenden der Modellstudiengänge dem Staatsexamen stellen, das nach wie vor Voraussetzung für die Approbation ist.


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Kommentare


10.08.2009 von Vera Kalasch
Danke, sehr hilfreich!


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Prof. Dr. Peter Walter

Peter Walter ist Professor für Augenheilkunde, Direktor der Augenklinik des Universitätsklinikums Aachen und Prodekan der Medizinischen Fakultät der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.

Augenklinik der RWTH Aachen

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