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Physik

Beitragsreihe Physik

Prof. Dr. Karlheinz Meier

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Abschlüsse des Physikstudiums

Das Physikstudium befindet sich seit etwa 2005 in einem Umbruch. Der Bologna-Beschluss der europäischen Länder schreibt die Umstellung des in Deutschland und auch international bewährten und anerkannten Diploms auf das Bachelor-/Master-System vor.
Bei allem dadurch verursachten Durcheinander an den Universitäten haben die klassischen großen Studiengänge wie beispielsweise die Physik einen großen Vorteil: Der zu vermittelnde Inhalt hat sich nicht geändert. Die Physikstudium soll und wird wie eh und je die Breite des Faches vermitteln. Eine vorzeitige Überspezialisierung ist in diesem Fach nicht sinnvoll und würde die Physiker ihres größten Vorteils auf dem Arbeitsmarkt berauben.



Im Jahre 2006 begannen deutschlandweit von insgesamt fast 9000 Studienanfängern im Fach Physik etwa 20 Prozent bereits mit einem Bachelor-/Master-Studiengang. Die Zahl der neu eingeschriebenen Lehramtsstudenten liegt leicht darunter. Das Diplom ist derzeit noch immer bei weitem dominant, dies wird sich jedoch bis zum Ende des Jahrzehnts ändern.



Diplom



Bis etwa 2015 wird es in Deutschland noch Absolventen des Diplomstudienganges geben. Alle Universitäten garantieren natürlich die unproblematische und ordnungsgemäße Durchführung eines einmal begonnenen Studienganges. Das Diplomstudium Physik hat eine Regelstudienzeit von zehn Semestern einschließlich einer 12-monatigen Diplomarbeit. In der Realität sind die erreichten Studienzeiten geringfügig länger. Die vollständige Statistik aller deutschen Physikfakultäten ist über die DPG zu erhalten (http://www.dpg-physik.de/presse/hintergrund/index.html). Im Verlauf des Diplomstudienganges wird nach etwa vier Semestern die Vordiplomprüfung abgelegt. Diese Prüfung ist eine interne Erfolgskontrolle und damit noch nicht berufsqualifizierend. Vordiplom- und Diplomprüfungen sind in der Mehrheit der Teilprüfungen mündlich. Erfolgskontrollen erfolgen während des Studiums über so genannte “Scheine“, welche die erfolgreiche Teilnahme am Übungs- oder Praktikumsbetrieb dokumentieren.



Alle Diplomabschlüsse sind innerhalb Deutschlands vollständig äquivalent und eine gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen erfolgt im Allgemeinen problemlos. Auch im Ausland ist das Physikdiplom aus Deutschland ein anerkannter Qualitätsstandard. Das Diplom qualifiziert bei entsprechender Benotung (typisch “gut“ oder besser) für die Zulassung zu einer Promotion.



Bachelor



Der Bachelor of Science in Physics (BSc.) ist gemäß der Bologna-Vereinbarung bereits ein berufsqualifizierender Abschluss. Er soll nach sechs Semestern erreicht werden. Ziel ist auch hier eine gewisse Breite in der Grundausbildung, jedoch kombiniert mit der Möglichkeit der Spezialisierung entsprechend den Anforderungen des Arbeitsmarktes oder den Zielen einer weiterführenden Universitätsausbildung. Fachübergreifende Kompetenzen (Sprachen, Präsentationstechniken, Arbeitsorganisation u.a.) sollen bei diesem Studiengang im Umfang von etwa 20 Prozent beinhaltet sein. Die Leistungsbeurteilung erfolgt über europäische Standards, die einen direkten internationalen Vergleich gewährleisten sollen. Die so genannten ECTS (European Credit Transfer and Accumulation System) Punkte messen dabei den zu leistenden Zeitaufwand. So entspricht ein Bachelor-Abschluss 180 ECTS-Punkten, die in verschiedenen Lehrveranstaltungen über drei Jahre gesammelt werden müssen.



Die Leistungsbewertung erfolgt studienbegleitend, d.h. sie ergibt sich nicht aus wenigen Prüfungen sondern einer Vielzahl von Klausuren und anderen Tests. Da die Bachelor-Studiengänge sich noch in der Aufbauphase befinden, wird ein direkter Vergleich unter den deutschen Universitäten erst nach einer gewissen Übergangsphase möglich sein. Eine intensive Information bei den in Betracht gezogenen Universitäten wird aus diesem Grunde dringend angeraten. Der BSc. qualifiziert nicht für die Zulassung zur Promotion.



Master



Der Master of Science in Physics (MSc.) ist ein so genanntes zweijähriges Aufbaustudium. Die Kombination Ba/Ma wird daher auch als konsekutives Studienmodell bezeichnet. Für den Übergang vom Bachelor zum Master ist ein Auswahlverfahren vorgeschrieben, dessen Gestaltung den einzelnen Universitäten überlassen bleibt. Auch hier ist eine persönliche und frühzeitige Information dingend anzuraten. Inhaltlich führt das MSc.-Studium nach insgesamt 3+2 Jahren zu einem dem Diplom gleichwertigen Kenntnisstand; besonders wichtig ist hierbei die in der Physik effektiv 12-monatige Masterarbeit. Der MSc. qualifiziert bei entsprechender Bewertung wie das Diplom zur Promotion. Einige Fakultäten in Deutschland denken derzeit über einen Früheinstieg in die Promotionsphase nach einem Jahr Masterstudium nach, um die Zeit bis zur Promotion zu verkürzen. Ein solches Verfahren würde ebenfalls nur nach einemAuswahlverfahren angewandt werden können.



Staatsexamen



Das erste Staatsexamen ist der Abschluss des wissenschaftlichen Studiums für den Beruf des Lehrers an Gymnasien. Dem 1. Staatsexamen schließt sich die Referendariatszeit an. Das erste Staatsexamen muss in zwei Hauptfächern abgelegt werden. Für die Physik bietet sich hier die Mathematik als sehr sinnvolle und effektive Lösung an. Ein anderes zweites Hauptfach ist mit einem sehr hohen Mehraufwand verbunden, da die Mathematik sowieso eine wichtige Rolle im Physikstudium spielt. Das 1. Staatsexamen fordert eine 6-monatige Zulassungsarbeit in einem der beiden Hauptfächer. Wegen des hohen Lehrermangels speziell im Fach Physik ist ein Lehramtsstudium sehr zu empfehlen. Das 1. Staatsexamen qualifiziert bei entsprechender Beurteilung auch für eine Zulassung zur Promotion.



Promotion



Die Promotion ist der Einstieg in die selbstständige wissenschaftliche Laufbahn. Sie erfordert einen mindestens guten Diplom-, Master- oder Staatsexamensabschluss und vor allem eine persönliche Begeisterung für die aktuelle Forschung in einem selbst gewählten Teilbereich der Physik. Ein Promotionsthema findet man in persönlicher Abstimmung mit einem Hochschullehrer. Da es keinen Anspruch auf eine Promotion gibt, sind ausführliche Vorgespräche und Besuche des betreffenden Instituts sehr wichtig.
Doktorand und Arbeitsgruppe müssen gut zueinander passen. Die Promotionsdauer ist nicht formal festgelegt, liegt aber realistisch in Deutschland zwischen drei und vier Jahren. Doktoranden der Physik erhalten in fast allen Fällen ein Stipendium oder einen Angestelltenvertrag.



Eine neue Entwicklung in Deutschland bilden die Graduiertenschulen, in denen Doktoranden in speziellen, häufig auf wenige Wochen beschränkte Kursprogramme mit den allerneuesten Entwicklungen ihres Arbeitsgebietes vertraut gemacht werden.



Als Doktorand ist man bereits Mitglied der “wissenschaftlichen Gemeinschaft“, besucht Konferenzen und publiziert die erzielten Ergebnisse. Für eine wissenschaftliche Karriere ist die Promotion unabdingbare Voraussetzung. Aber auch für eine Industrietätigkeit bringt die Promotion nützliche Erfahrungen und einen wichtigen Wissensvorsprung.


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Kommentare


21.07.2008
Sehr nützlich !


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Prof. Dr. Karlheinz Meier

Karlheinz Meier ist Professor für Experimentalphysik am Kirchhoff-Institut für Physik der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Kirchhoff-Institut für Physik, Uni Heidelberg

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