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Physik

Beitragsreihe Physik

Prof. Dr. Karlheinz Meier

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Perspektiven nach Abschluss des Studiums

Die beruflichen Perspektiven nach einem erfolgreichen Studienabschluss sind für Physiker eigentlich immer positiv gewesen. Natürlich folgt ein so wissenschaftlich-technischer Beruf den Entwicklungen der Wirtschaft. Von großem Vorteil ist jedoch die Breite der Ausbildung.
Auch wenn der eigentliche Traumberuf in einem speziellen Bereich der Forschung vielleicht nicht in jedem Fall erreichbar ist, finden Physiker als “Universaltalente“ eigentlich immer eine adäquate Beschäftigung, die das vorhergehende Studium als sinnvolle und gute Investition rechtfertigt. In der derzeitigen positiven Wirtschaftsentwicklung, den vielen langfristig orientierten Großforschungsprojekten und dem gesellschaftlich anerkannten Wunsch nach einer guten naturwissenschaftlichen Schulausbildung sind die Berufsperspektiven auf den drei klassischen Betätigungsfeldern zur Zeit ganz ausgezeichnet. Die Tätigkeit von Physikern in Wissenschaft und Hochschule, in der Industrie sowie an der Schule soll im folgenden dargestellt werden.



Wissenschaftler und Hochschullehrer



Dies ist für viele Studienanfänger der eigentliche Traumberuf. Man arbeitet an den Grenzen des menschlichen Wissens, kann eigene Ideen verwirklichen und mit den besten Studenten gemeinsam forschen. Die Physik wirft derzeit so viele grundlegende offene Fragen auf, dass dieser Berufzweig in den nächsten Jahren wahrscheinlich auch ganz ausgezeichnete Chancen bietet. Wo kann man als Forscher arbeiten? Außer an den Universitäten bieten sich Arbeitsmöglichkeiten an den Max-Planck-Instituten, den Helmholtz-Instituten, den Fraunhofer-Instituten und vielen nationalen und internationalen Laboratorien (z.B. CERN, ILL, ESA, EMBL und andere).



Die Frage nach den Berufschancen in der reinen Forschung lässt sich eigentlich immer auf sehr einfache Weise beantworten: wer in seinem Gebiet sehr gut ist und mit Leib und Seele für seine Wissenschaft lebt, hat immer ganz ausgezeichnete Chancen. Allerdings muss man schon einige Opfer erbringen, um als reiner Wissenschaftler eine Lebensperspektive zu entwickeln. Die Bezahlung wird nie so hoch sein wie die der Kollegen in der Industrie. Der Weg zum Professor führt über einen gewundenen Pfad aus vielen zeitlich befristeten Stellen in verschiedenen Teilen der Welt. Mit der generellen Anerkennung der Rolle der Nachwuchswissenschaftler und vielen für diese Gruppe geschaffenen Förderprogrammen (z.B. das Emmy-Noether Programm) hat sich die Situation in den letzten Jahren sehr deutlich verbessert. Auch kann man nach einer gewissen Zeit in der reinen Forschung immer noch in die Industrie oder den Lehrerberuf wechseln. Umgekehrt ist dies nicht möglich.



Industriephysiker



Eine “physikalische Industrie“ gibt es im Gegensatz zur Chemie nicht. Trotzdem arbeiten Physiker in fast allen Bereichen industrieller Forschung und Produktion: Automobilbau, Chemie, Elektroindustrie, Medizintechnik, Optik/Lasertechnik, Maschinenbau, Halbleiter und Informationstechnologie. Darüber hinaus finden sich Physiker im Dienstleistungsbereich: Banken, Börse, Versicherungen, Unternehmensberatung, Klinika, öffentliche Verwaltung und Medien. Nach einer DPG Studie aus dem Jahre 2000 arbeiten 60 Prozent der Industriephysiker in der verarbeitenden Industrie (ohne Software), 22 Prozent im Softwarebereich und 18 Prozent in der Dienstleistung.


Was macht Physiker für die Industrie interessant? Wie bereits gesagt, das wichtigste Kapital des Physikers ist seine breite Ausbildung in den Grundlagen der Physik. Was heute angewandt ist, ist morgen veraltet! Physiker sind in vielen Unternehmen die Innovationsmotoren. Physiker bringen aber zusätzlich eine Reihe weiterer Fähigkeiten mit, die für die Industrie von großem Interesse sind. Diese Fähigkeiten sind häufig aus der Erfahrung großer Forschungsprojekte im internationalen Rahmen entstanden.
  • Fähigkeit, Strategien zur Problemlösung zu entwickeln

  • Computer-Kenntnisse (ggfs. Studienschwerpunkt)

  • Fremdsprachen (Physik ist international)

  • Mobilität (evtl. Auslandsaufenthalt, Mitarbeit in Großprojekten)

  • Soziale und kommunikative Fähigkeiten (internationale Großprojekte)

  • Zusatzqualifikationen (Management, BWL)

Was macht ein Physiker in der Industrie? Die folgende Liste gibt eine Übersicht über typische Tätigkeitsfelder von Physiker. Die Liste ist dabei von einer reinen Forschungstätigkeit bis hin zu reinen Management und Koordinierungsaufgaben geordnet.
  • Forschung und Entwicklung

  • Fertigung, Produktion, Qualitätsmanagement

  • Vertrieb, Verkauf, Beratung, PR und Marketing

  • Planung

  • Patentwesen

  • Leitungsfunktionen, Management

  • Unternehmer

Es ist interessant, dass die oben erwähnte DPG-Studie auch die Zufriedenheit der Physiker untersucht hat. Physiker (und Mathematiker, Chemiker) sind, verglichen mit Absolventen anderer Fächer überdurchschnittlich zufrieden mit der erreichten beruflichen Situation. Achtzig Prozent würden wieder Physik studieren.



Physiklehrer



Physiklehrer sind in gewisser Weise eine Wurzel der Innovation in unserer Gesellschaft. Nicht nur zukünftige Physiker sondern vor allem naturwissenschaftlich und technisch aufgeklärte Bürger entstehen durch einen qualitativ hochwertigen und sachgerechten Schulunterricht. Die gegenwärtige Krise des naturwissenschaftlichen Unterrichtes muss daher als großes Drama bezeichnet werden. Die Chancen für Physiklehrer stehen also gut und sie werden gebraucht. Die gegenwärtigen Anfängerzahlen sind allerdings viel zu klein, so dass auch ein Quereinstieg nach Abschluss des Diploms/Masters oder nach der Promotion sinnvoll und in vielen Bundesländern möglich ist.


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Kommentare


27.11.2013 von k k
Sehr toll, Vielen Dank!
21.07.2008


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Prof. Dr. Karlheinz Meier

Karlheinz Meier ist Professor für Experimentalphysik am Kirchhoff-Institut für Physik der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Kirchhoff-Institut für Physik, Uni Heidelberg

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