Campus
 
Studium Archäologie Studium Biologie Studium Chemie Studium Geowissenschaften Studium Mathematik Studium Medizin Studium Physik Studium Psychologie Studium Technik
Chemie

Beitragsreihe Chemie

Prof. Dr. Henning Hopf

Vorheriger Artikel 3/3 Nächster Artikel

Studium und Berufsfelder

Dass die Chemie zu den Zukunftswissenschaften gehört und keineswegs durch die Biologie und andere “Lebenswissenschaften“ ersetzt werden kann und wird, steht mit dem bereits Gesagten außer Frage. Gerade junge Menschen, denen die Zukunft der Welt nicht gleichgültig ist, bietet ein Chemiestudium reiche Entfaltungsmöglichkeiten, der Beruf des Chemikers, der Chemikerin viele sinnvolle und intellektuell und gesellschaftlich befriedigende Möglichkeiten.

Chemie Zukünftige Zielsetzungen der Chemie
Studium und Berufsfelder

Die Zahl der Erstsemester im Fache Chemie ist in Deutschland nach einer mehrjährigen Verringerung wieder auf rund 6000 pro Jahr gestiegen. Davon waren im Jahre 2005 rund 44 Prozent weiblich und 12 Prozent Ausländer (bei einem Bacheloranteil von 30 Prozent). Die Erfahrung lehrt, dass für ein erfolgreiches Chemiestudium Freude an Problemlösungen, gute Beobachtungsgabe, gute handwerkliche Fähigkeiten, aber auch Sekundärtugenden wie Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz gute Voraussetzungen sind. Wie die anderen Experimentalwissenschaften erfordert die Chemie gleichermaßen Kopf und Hand, sie ist ein intellektuelles und manuelles Unterfangen.



Wahl des Studienortes



Unterschiede zwischen den verschiedenen Hochschulen gab es auch in der Vergangenheit schon, sie waren aber nicht sehr bedeutsam: wo man sein Studium begann, war ziemlich gleichgültig. Vor dem Hintergrund steigender Konkurrenz zwischen den Hochschulen, die u.a. durch Maßnahmen wie die derzeitige Exzellenzinitiative angetrieben werden, ist es wenig wahrscheinlich, dass das in Zukunft so bleiben wird. Sich sorgfältig und umfassend über in nähere Auswahl gezogene Studienorte zu informieren wird also in Zukunft die Studienanfänger stärker als bisher beschäftigen müssen. Sich hierbei nicht auf das Getöse einer zunehmend auch im Wissenschaftsbereich von PR-Maßnahmen bestimmten Welt zu verlassen, ist sicherlich ein guter Rat.



Der persönliche Besuch an einer Hochschule, ein Praktikum, das Gespräch mit einem Hochschullehrer, der Besuch von Lehrveranstaltungen dürfte bessere Einblicke darüber geben, ob eine bestimmte Hochschule zu einem passt, als das Studieren von Rating- oder Rankinglisten. Auch das Internet bietet inzwischen zahllose Möglichkeiten, rasch an wichtige Chemieinformation heranzukommen. Den Zugang zu den Hochschulen verschafft man sich am bequemsten über die Homepage der Gesellschaft deutscher Chemiker (GDCh.de), über die man über diverse Links rasch alle Chemiefachbereiche in Deutschland “anklicken“ kann. Dort erfährt man dann Einzelheiten über die Studienpläne (die sich derzeit vielerorts im Umbruch befinden), die verschiedenen Arbeitsgruppen, Stipendien u.v.a.m. Auch Suchmaschinen wie Google und Wikipedia enthalten inzwischen sehr fiel nützliche Information über die verschiedenen Chemiefachbereiche. Wenn Sie Kontakte zu Studierenden aufnehmen wollen, die altersbedingt näher an den Bedürfnissen von Studienanfängern “dran“ sind, geschieht das am besten über die E-Mailanschriften der Fachbereiche. Geht man über die GDCh-Homepage, arbeitet man sich über die Jungchemikerforen (JCF), die es an fast allen deutschen Chemiefachbereichen gibt, weiter vor.



Studierende der Chemie



Dass es einen besonderen Menschentypus gibt, der sich besonders gut zum Chemiestudium eignet, ist eher unwahrscheinlich. Aber es gibt bestimmte wichtige Eigenschaften, die man mitbringen sollte, wenn einem dieses alles in allem doch recht lange und aufwändige Studium durchgängig Freude bereiten soll. Dazu würde ich zählen: Freude am Experiment - bei gleichzeitigem Interesse, die beobachteten Naturphänomene auch intellektuell durchdringen zu wollen. Wie die anderen Experimentalwissenschaften fordert die Chemie manuelle und intellektuelle Fähigkeiten, die Einheit von Kopf und Hand. Experimentieren heißt ganz wesentlich und häufig vergeblich experimentieren, heißt das Ertragen langer Durststrecken ohne positive Rückmeldungen (“Erfolge“). Das durchzustehen ist nicht immer einfach - aber einer der Gründe dafür, weshalb auch viele chemieferne Branchen gerne Chemiker und Chemikerinnen einstellen: diese haben gelernt, Probleme mit wissenschaftlichen Methoden zu lösen, aber eben auch, dass dazu oft ein langer Atem erforderlich ist.



Chemie - und gerade die Synthesechemie - ist ein hochgradig kreativer (= schöpferischer) Beruf. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man zum ersten mal eine Substanz in Händen hält, die noch nie von irgendeinem anderen Menschen erhalten worden ist. Und das Gefühl ist noch schöner, wenn diese Substanz interessante und wichtige Eigenschaften besitzt - z.B. eine völlig neuartige Struktur besitzt oder biologisch/pharmazeutisch aktiv ist oder sich als Material zum Einsatz in der Informationstechnologie oder bei der Energiespeicherung eignet. Diese - zugegeben seltene - Lohn, gleicht viele Frustrationen wieder aus.



Ein aktuelles Buch, das Erfahrungen um das Chemiestudium und den Beginn der beruflichen Tätigkeit zusammenfasst, stammt von Thomas Laune und Karin Schmitz:


    Berufs- und Karriere-Planer Chemie, Teubner Verlag




Abschlüsse des Chemiestudiums



Ein Vollstudium Chemie kann man in Deutschland zur Zeit an 55 Universitäten und Technischen Universitäten aufnehmen. Dazu kommen mehr als 20 Fachhochschulen mit spezialisierten Ausbildungsgängen. Mit der Unterzeichnung des Bologna-Protokolls durch 40 europäische Länder, das die Schaffung eines gemeinsamen Universitätssystems zum Ziel hat, hat die Umstellung des klassischen deutschen Ausbildungssystems in das Bachelor/Master-System begonnen. Inzwischen ist die Umstellung, die einen Bachelor nach 3 oder 4 Jahren (“1. Cyclus“) und einen Master-Grad nach weiteren 1-2 Jahren (“2. Cyclus“) vorsieht, an den sich ein dritter Cyclus (3 Jahre) anschließt, der zur Promotion führt, weit fortgeschritten.



Der entscheidende Unterschied zu dem bisherigen System besteht darin, dass alle drei Abschlüsse berufsqualifizierend sind. Mit diesem System wird in (Kontinental) Europa etwas begonnen, das sich in den angelsächsischen Ländern seit Jahrzehnten hervorragend bewährt hat. Der Ausstieg nach dem Bachelor kann jungen Menschen, die sich nicht zu einer Karriere als Forscher berufen fühlen, dennoch interessante Berufsperspektiven bieten, sei es im Dienstleistungsbereich bei einfacherer chemischer Tätigkeit, oder auch in Kombination mit einem Zweitstudium (Bachelor Chemie plus Jura, Bachelor Chemie plus Wirtschaftwissenschaften, Bachelor Chemie plus Journalismus etc.). Es ist immer wieder festgestellt worden, dass Deutschland auf dem Wege in die Wissensgesellschaft im tertiären Bereich zu wenig ausbildet - die Bachelorabsolventen könnten diese Lücke schließen.



Der zweite Studienabschnitt schließt mit dem Master, der im großen Ganzen dem klassischen Diplom entspricht. Schon in der Vergangenheit haben wenige Studierende diesen Ausstieg aus dem Studium genutzt und auch wenn in der Masterausbildung die Vermittlung sog. “soft skills“ (PC-Ausbildung, Präsentations- und Vortragstechnik etc.) eine größere Rolle spielt als in der Vergangenheit, ist es wahrscheinlich, dass die Masterabsolventen mehrheitlich die Promotion anstreben werden.



Nach dem Studium



Nach der Promotion bieten sich den Absolventen vielfältige Möglichkeiten. Rund 30 Prozent aller Frischpromovierten streben eine Tätigkeit in der Forschung an, sei es in der Industrie oder in der Hochschule oder einem Forschungsinstitut. Aber auch in anderen Branchen - Informatikindustrie, Bank- und Versicherungswesen, Verbände und Ministerien u.a.m. - sind promovierte Chemiker gern gesehene Hochschulabsolventen. Geht man in die Forschung, ist heute ein Postdoktorandenaufenthalt im Ausland unverzichtbar, meistens in den USA, aber inzwischen auch in vielen Ländern Europas, in Japan oder anderswo. Kehrt man dann nach Hause zurück, hat man nicht nur eine andere Forschungs- und Lebenswelt kennen gelernt, sondern meistens auch noch eine Sprache - ein großer Vorteil für eine etwaige Tätigkeit in einer global agierenden deutschen Chemiefirma.


Vorheriger Artikel 3/3 Nächster Artikel

Bewertung


Bewertung 35 von 40 Basierend auf 6 Bewertungen.

Kommentare


07.06.2011 von Amir Rostami -Rad
Es war sehr gut, vielen Dank!


Kommentare sind zur Zeit deaktiviert.

Prof. Dr. Henning Hopf

Henning Hopf ist Professor für organische Chemie an der Technischen Universität Braunschweig

Institut für organische Chemie, TU Braunschweig

Ein Projekt von


© Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH Impressum Kontakt