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Mathematik

Beitragsreihe Mathematik

Prof. Dr. Burkhard Kümmerer

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Berufsfelder für Mathematiker

Welche Perspektiven eröffnet die Mathematik? Außer meinen Mathematiklehrerinnen kenne ich eigentlich keine Mathematiker. Was kann man denn mit einem Mathematikstudium anfangen, und wie sind die Berufschancen?
In kaum einem Fach sind die Berufschancen so vielfältig und so gut wie in der Mathematik. Mathematikerinnen und Mathematiker sind universell einsetzbar und füllen daher oft Stellen aus, die nach außen gar nicht als Mathematiker-Stellen erkennbar sind. Mathematikerinnen und Mathematiker sind wie die Mathematik: unverzichtbar, aber schwer auszumachen.



Juristen, Mediziner, Theologen und viele andere sind klar als solche erkennbar, oft schon aus dem Telephonbuch oder auf dem Namensschild. Wo nun sind die Mathematiker? Überall da, wo Mathematik ist und noch in vielen anderen Bereichen. Denn Mathematiker können Mathematik und noch viel mehr: sie können gedankliche Ordnung in unübersichtliche und komplexe Situationen bringen, z.B. indem sie analysieren, auf angemessene Weise vereinfachen, auf den Punkt bringen, intuitiv verstehen und dabei präzise bleiben. Letzteres zeichnet Mathematiker besonders aus: Mathematik erzieht zum genauen Denken: wenn es um hohe Sicherheit und Zuverlässigkeit geht, müssen alle, wirklich alle, Möglichkeiten durchdacht und berücksichtigt werden, nicht nur die Regelfälle, sondern auch die Ausnahmesituationen. Für alle diese Fähigkeiten werden Mathematikerinnen und Mathematiker gebraucht und eingestellt.



Technologie



Mathematik ist eine Schlüsselwissenschaft. Wo Hochtechnologie ist, ist auch Mathematik. Nehmen wir ein Auto: es beginnt bei der Gestaltung des Reifenprofils: griffg, aber leise sollen die Reifen sein. Die Karosserie soll windschlüpfrig sein, aber auch formschön; beides kann man mathematisch erfassen. Die Form der Karosserie muss mathematisch beschrieben werden, sonst wissen die Pressen nicht, was sie tun sollen. Das optimale Design der Vorgänge bei der Verbrennung im Zylinder führt mitten hinein in das hochaktuelle mathematische Gebiet der Turbulenz. Wenn neuerdings viele Crashtests zur Erhöhung der Sicherheit im Rechner durchgeführt werden können, dann ist das ein Verdienst der Mathematik: nur ausgeklügelte mathematische Verfahren erlauben es, solch komplizierte Vorgänge in kurzer Zeit zu rechnen, selbst auf schnellen Computern - Sie wissen ja, wie ein Auto nach einem Crash aussehen kann...



Wo immer es digital wird, z.B. beim GPS, wird es auch mathematisch. Digitale Information wird gegen Fehler gesichert, komprimiert, verschlüsselt, von anderer Information getrennt; dies alles mit mathematischen Algorithmen. Diese Liste ist jedoch noch längst nicht vollständig. Was für ein Auto gilt, gilt genauso für jedes anderes Produkt der modernen Technologie, für Flugzeuge und Züge, für Handys und Geldautomaten, für optische Geräte und moderne Werkstoffe, von der IT-Branche gar nicht zu reden. Natürlich werden diese Produkte nicht alleine von Mathematikern entwickelt, aber sie sind überall beteiligt, immer in einem Team, in welches sie ihre Fähigkeiten einbringen.



Finanzwelt



Ein klassisches Berufsfeld für Mathematikerinnen und Mathematiker sind Versicherungen und Banken. Produkte für den Finanzmarkt zu entwickeln, ist eine anspruchsvolle Angelegenheit, man spricht von Financial Engineering. Hier ist viel anspruchsvolle Mathematik im Spiel, spätestens seit F. Black, R.C. Merton und M. Scholes um 1973 mit ihren mathematischen überlegungen zur fairen Optionspreisbewertung die Finanzmärkte revolutionierten (die beiden letztgenannten erhielten dafür 1997 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, F. Black starb 1995). Alle diese Produkte müssen natürlich auch überprüft werden: Controlling-Abteilungen sind ein mittlerweile klassisches Betätigungsfeld für Mathematiker: Sie schauen genau hin.



Unternehmensberatung, Management, Logistik



Und dann gibt es noch die unzähligen Berufe, denen man den Bezug zur Mathematik gar nicht mehr ansieht. Hier bringen Mathematiker vor allem ihre analytischen Fähigkeiten und ihr strukturierendes Denken ein. Das gilt zunächst für alle Bereiche des mittleren und höheren Managements. Als weiteres typisches Beispiel seien hier Unternehmensberatungen genannt. In manchen großen Unternehmensberatungsfirmen haben etwa die Hälfte der Mitarbeiter ein abgeschlossenes Mathematikstudium in der Tasche. In naher Zukunft wird im Bereich der Verkehrssysteme ein großer Bedarf an Mathematikern entstehen. Schon jetzt sind Mathematiker in die Organisation von Nahverkehrssystemen und Fahrplänen eingebunden, manchmal leider auch nicht. Mathematikerinnen und Mathematiker werden gerne eingesetzt, wo immer komplizierte logistische Aufgaben zu bewältigen sind: Mathematik ist Organisation von Komplexität und genau hier wird sie gebraucht.



Lehre und Forschung



Die oben angesprochenen Berufsfelder belegen auch, wie wichtig die Mathematik für das Funktionieren unserer Welt ist. Diese Rolle kann sie in Zukunft nur ausfüllen, wenn einerseits in den Schulen ein breites Grundverständnis für Mathematik vermittelt wird und wenn andererseits die Mathematik ständig weiterentwickelt wird, um vorbereitet zu sein für neue Aufgaben. Lehrerinnen und Lehrer für Mathematik erfüllen daher eine wichtige Aufgabe für die Gesellschaft, sie sind immer gefragt. Die meisten Universitäten bieten auch Studiengänge für das gymnasiale Lehramt an, Mathematik in Kombination mit wenigstens einem weiteren Unterrichtsfach für die Schule. Mathematische Forschung findet hauptsächlich an den Universitäten, Max-Planck-Instituten und Forschungszentren großer Firmen statt. Die Stellen in der Forschung sind allerdings dünn gesät. Daher kann man sich eine Forschungslaufbahn vornehmen, aber darauf verlassen sollte man sich nicht.



Firmen brauchen Mathematiker



Die Berufsaussichten für Mathematikerinnen und Mathematiker sind also hervorragend. Alle Statistiken weisen einheitlich aus: jüngere Mathematiker gibt es unter den Langzeitarbeitslosen praktisch nicht. Die meisten Stellen werden nicht spezifisch für Mathematiker ausgeschrieben. Ein Blick auf die geforderten Qualifikationen zeigt aber oft: hier haben Mathematiker gute Chancen, und häufig setzen sie sich im Bewerbungsverfahren durch, denn die spezifischen Fähigkeiten und die flexiblen Einsatzmöglichkeiten von Mathematikern werden zunehmend geschätzt. Die Liste der angesprochenen Berufsfelder ist bei weitem nicht vollständig, sie kann nur einen ersten Eindruck von der universellen Einsatzfähigkeit von Mathematikerinnen und Mathematikern geben. Viele weitere Informationen finden Sie in dem unten zitierten Berufs- und Karriereplaner Mathematik 2006.



Mathematiker arbeiten im Team



Noch ein Wort zur Arbeitsumgebung: Ein Mathematiker arbeitet in aller Regel nicht alleine an einem Schreibtisch in der Ecke. Im Gegenteil sind Kommunikationsfähigkeit und Teamfähigkeit wichtige Qualifikationen für Mathematiker: Häufig werden Sie sich als einziger Mathematikerin in einem bunt zusammengewürfelten Team wiederfinden. Sie werden Anlaufstelle sein für alle Probleme, die auch nur im entferntesten nach Mathematik riechen. In vielen Fällen werden Sie erst einmal das eigentliche Problem herausschälen müssen, um es dann möglichst zu lösen und anschließend die Lösung Ihren nichtmathematischen Kollegen in brauchbarer Form weiterzureichen.


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Kommentare


05.09.2014
18.01.2014 von Andreas Zoeller
Zum universellen Einsätzen Ich verstehe Prof K. Beitrag nicht bezogen auf das Fachwissen, Sondern vermittelten Denk.- Lösungsstrategien zur Problembewältigung Meine Verständnis von einem Mathematiker ist schon lange nicht mehr der "FormelNerd" im dunkeln Kämmerlein vielmehr eine Person die bei der Lösungsfindung im Team die richtigen Fragen stellt. Implikationen, Beziehungen und Folgerungen zu erkennen ist in vielen Beruf häufig von mehr Interesse als eine DiffGl n-Ordung zu lösen.
05.04.2013 von Georg Helmholz
"Mathematikerinnen und Mathematiker sind universell einsetzbar und füllen daher oft Stellen aus, die nach außen gar nicht als Mathematiker-Stellen erkennbar sind. " Damit ist eigentlich schon alles gesagt! Die wenigsten Mathematiker beschäftigen sich nach dem Studium noch mit Mathematik. Damit wird all das erarbeitete Wissen im Studium mit einem Schlag wertlos, so dass man im Job wieder komplett von vorne anfängt. Das Mathestudium ist eine reine Zeitverschwendung, und das sowohl für diejenigen, die von didaktisch schlechten Vorlesungen entäuscht wurden und sich für das Fach eigentlich interessieren, als auch für alle anderen, die sich einen sicheren, gut bezahlten Job erhofft hätten. Bevor man Mathe auf Diplom bzw. Master studiert, wird man lieber Lehrer oder macht gleich eine Ausbildung und spart sich dadurch viel Zeit, Geld und Nerven! Es ist unfassbar, wieviele Lügen über die MINT-Studiengänge verbreitet werden. Dadurch werden ganze Generationen ins Verderben geführt!
05.04.2013 von Georg Helmholz
"Mathematikerinnen und Mathematiker sind universell einsetzbar und füllen daher oft Stellen aus, die nach außen gar nicht als Mathematiker-Stellen erkennbar sind. " Damit ist eigentlich schon alles gesagt! Die wenigsten Mathematiker beschäftigen sich nach dem Studium noch mit Mathematik. Damit wird all das erarbeitete Wissen im Studium mit einem Schlag wertlos, so dass man im Job wieder komplett von vorne anfängt. Das Mathestudium ist eine reine Zeitverschwendung, und das sowohl für diejenigen, die von didaktisch schlechten Vorlesungen entäuscht wurden und sich für das Fach eigentlich interessieren, als auch für alle anderen, die sich einen sicheren, gut bezahlten Job erhofft hätten. Bevor man Mathe auf Diplom bzw. Master studiert, wird man lieber Lehrer oder macht gleich eine Ausbildung und spart sich dadurch viel Zeit, Geld und Nerven! Es ist unfassbar, wieviele Lügen über die MINT-Studiengänge verbreitet werden. Dadurch werden ganze Generationen ins Verderben geführt!
20.11.2009


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Prof. Dr. Burkhard Kümmerer

Burkhard Kümmerer ist Professor für Mathematik an der Technischen Universität Darmstadt

Fachbereich Mathematik, TU Darmstadt

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