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Meteorologie

Beitragsreihe Meteorologie

Prof. Dr. Michael Schatzmann und Prof. Dr. Martin Claußen

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Abschlüsse des Meteorologiestudiums

An den etwa 10 deutschen Studienstandorten wurde oder wird derzeit der traditionell 5-jährige Diplomstudiengang Meteorologie in einen konsekutiven Bachelor/Master-Studiengang überführt.

Das Studium der Meteorologie
Abschlüsse des Meteorologiestudiums
Perspektiven nach dem Studium
Damit wird dem von den europäischen Bildungsministern in Bologna gefassten Beschluss nachgekommen, die Universitätsausbildung in der EU formal zu vereinheitlichen. Künftig wird es somit nur noch 3-jährige Bachelor-Studiengänge geben, die bereits für den Beruf des Meteorologen qualifizieren sollen und an deren Ende der akademische Grad "Bachelor of Science" vergeben wird. Darauf baut ein 2-jähriger forschungsorientierter Studiengang auf, der mit dem "Master of Science" endet. Zusammen mit der Verleihung der Titel wird jeweils ein detailliertes Zeugnis ausgehändigt, das Auskunft über die studierten Fächer und die erbrachten Leistungen gibt.



Im Vergleich zum Diplomstudiengang werden die Studiengänge modularisiert, also in zusammenhängende Lehreinheiten von ein- oder zwei Semestern Dauer aufgelöst, die sofort nach Absolvierung abgeprüft werden. In beiden Studiengängen wird ein Leistungspunktesystem nach dem European Credit Transfer System (ECTS) eingeführt. Pro Studienjahr sind 60 Leistungspunkte zu erwerben, wobei ein Leistungspunkt zeitmäßig etwa 30 Arbeitsstunden für den Besuch sowie die Vor- und Nachbereitung von Lehrveranstaltungen entspricht. Die Studiengänge sind zu akkreditieren, das heißt die Einhaltung der von den beauftragten Agenturen in Absprache mit den Fachverbänden gesetzten Standards wird regelmäßig überprüft.



Die Umstellung der Studienstruktur wird von den meteorologischen Instituten zwar kritisch, aber nicht nur negativ gesehen. Die Studentenzahlen haben im Vergleich zu früher auch in der Meteorologie zugenommen, die Studienanfänger werden zunehmend jünger (Abitur nach 12 Schuljahren). Eine straffere Führung durch das Studium zumindest in den Anfangsjahren, die ja nicht gleich in eine totale Verschulung ausarten muss, dürfte den meisten Studierenden eher gut tun. Mehr Studierende als je zuvor wollen mittels eines Auslandssemesters oder eines kompletten Studienortswechsels in ein anderes Land sich auch international bewähren. Einheitliche Schnittstellen und Bewertungskriterien kommen solchen Wünschen natürlich entgegen.



Wichtig war es den für das Meteorologiestudium Verantwortlichen, die Neustrukturierung ohne Abstriche an den bisherigen Qualifikationszielen umzusetzen. Wer im neuen System nach 5 Jahren den Mastertitel erwirbt, wird mindestens so gut qualifiziert sein, wie heute ein Diplom-Meteorologe. Die Frage, ob schon unterhalb der Masterebene ein nennenswerter Markt für Bachelor-Absolventen entstehen wird, ist derzeit nicht zu beantworten. Die Hürden für die Zulassung zum Masterstudium in Meteorologie wurden daher an allen Studienstandorten so gering wie möglich festgesetzt.



Die Studienpläne differieren von Standort zu Standort. Sie bringen damit die an den einzelnen Universitäten vorhandenen Besonderheiten zum Ausdruck. In den wesentlichen Grundzügen gleichen sie jedoch einander, Studienortswechsel sind somit ohne Zeitverlust möglich.



Bachelor



Als Beispiel ist in Bild 1 der Bachelor-Studienplan für Meteorologie der Universität Hamburg gezeigt. Wie sich an den Leistungspunkten ablesen lässt, ist etwa ein Drittel des Studiums dem Erwerb von mathematisch-physikalischen Grundlagen gewidmet. Dabei besuchen die Meteorologen die gleichen Lehrveranstaltungen wie die Physiker. Ein Wechsel zwischen diesen Fachrichtungen ist damit zumindest in den ersten zwei bis drei Semestern ohne Zeitverlust möglich.




Bild 1: Studienplan für die Bachelor-Phase
Typischer Studienplan für einen Bachelor - Studiengang im Fach Meteorologie, hier am Beispiel des Studienstandorts Hamburg.
© Schatzmann/Claußen


Im ersten und zweiten Semester besuchen die Studierenden zwar schon einführende Meteorologie-Veranstaltungen, so richtig startet die meteorologische Ausbildung jedoch erst danach, also wenn ausreichende Kenntnisse in Mathematik und Physik erworben worden sind. Dann schließt sich ein umfangreicher Block von Meteorologie-Modulen im Umfang von 114 Leistungspunkten an, der mit einer selbstständig anzufertigenden Studienarbeit - der Bachelorarbeit - endet. Das Thema dieser Arbeit ergibt sich typischerweise aus der Mitarbeit an einem Forschungsprojekt. Fast alle Studierenden sind im letzten BSc.-Studienjahr als wissenschaftliche Hilfskraft in einem der Drittmittelprojekte angestellt und haben intensiven Kontakt zu den Mitarbeitern und Doktoranden. Sie sind dann bereits in der Lage, kleinere Forschungsaufgaben zu übernehmen, die sich anschließend zu einer Bachelorarbeit ausbauen lassen. Teil des Fach-Studiums ist ferner ein mindestens vierwöchiges Berufspraktikum, das einen starken meteorologischen Bezug haben soll. Viele Studierende absolvieren es im Ausland, bei einer Partneruniversität oder einem der Wetterdienste.



Für den freien Wahlbereich, in dem die Studierenden ihren Neigungen nachgehen können, bleibt in diesem bereits spezialisierten Studiengang nur noch wenig Raum (10 LP). Innerhalb der Bachelorstudiengänge werden den Studierenden neben den fachlichen auch allgemeine berufsqualifizierende Kompetenzen vermittelt. Dies geschieht an allen Studienstandorten fast ausschließlich am Beispiel meteorologischer Problemstellungen, also innerhalb des eigentlichen Fachstudiums.



Master



Das Masterstudium (Bild 2) ist ganz auf forschendes Lernen ausgerichtet. Nur im ersten Jahr werden noch regelmäßig Vorlesungen, Übungen und Seminare in Meteorologie sowie einem das Fachstudium sinnvoll ergänzenden Nebenfach (z.B. Ozeanographie, Geophysik, Informatik) besucht. Das zweite Jahr dient der Anfertigung der ersten eigenen Forschungsarbeit. Sie wird durch die Module "Fachliche Spezialisierung" und "Methodenkenntnis und Projektplanung" ein Semester lang systematisch vorbereitet.




Bild 2: Studienplan für Master-Phase
Typische Studienpläne für die Bachelor- und Master-Phase in Meteorologie, hier am Beispiel des Studienstandorts Hamburg
© Schatzmann/Claußen


Während der fachlichen Spezialisierung ist der Studierende wiederum in eine Forschergruppe integriert und arbeitet sich - unterstützt von den Wissenschaftlern dieser Gruppe - in das Thema der Masterarbeit ein. Ist das geschehen, eignet er sich die für die Durchführung der Arbeit erforderlichen experimentellen oder numerischen Fertigkeiten an, entwirft seinen Versuchsstand oder schreibt Programme und erstellt schließlich den Zeit- und Kostenplan für sein Forschungsvorhaben. In dieser Vorbereitungsphase legt er im Rahmen von kurzen Präsentationen innerhalb seiner Gruppe immer wieder Rechenschaft über den Fortschritt der Arbeiten ab. In den darauffolgenden 6 Monaten wird dann die eigentliche Forschungsarbeit so selbstständig wie möglich durchgeführt und die Masterarbeit, ein üblicherweise ca. 100-seitiger Forschungsbericht, angefertigt. Das Masterstudium endet mit einem Vortrag und der Verteidigung der Arbeit vor einem Fachpublikum.


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Prof. Dr. Michael Schatzmann und Prof. Dr. Martin Claußen

Michael Schatzmann (r.) ist Direktor des Zentrums für Meeres- und Klimaforschung der Universität Hamburg
Martin Claußen ist Professor für Meteorologie an der Universität Hamburg und Direktor und Wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Meteorologie

Zentrum für Meeres- und Klimaforschung, Uni HamburgMax-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg

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