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Meteorologie

Beitragsreihe Meteorologie

Prof. Dr. Michael Schatzmann und Prof. Dr. Martin Claußen

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Das Studium der Meteorologie

Die Atmosphäre ist der Lebensraum des Menschen. Der aktuelle Zustand der Atmosphäre, das Wetter, oder die längerfristigen Witterungs- und Klimaschwankungen beeinflussen den Menschen in vielfältiger Weise.
So wundert es nicht, dass der Mensch sich seit jeher mit den Vorgängen in der Atmosphäre beschäftigt hat. Erste Ansätze einer Beschreibung der Atmosphäre finden sich bereits bei den Ägyptern. Der Begriff "Meteorologie" wurde jedoch erst von Aristoteles (384 - 322 v.Chr.) geprägt, der in einem vierbändigen Werk alle Naturphänomene zwischen Himmel und Erde zu beschreiben versuchte.



Meteorologie wird heute als Physik der Atmosphäre verstanden. Der Studiengang Meteorologie vermittelt daher eine solide mathematisch-physikalische Grundausbildung in den Anfangssemestern und darauf aufbauend eine breite, sowohl theoretische als auch experimentelle Ausbildung im eigentlichen Fachgebiet in den Folgesemestern. Wer Meteorologie studieren will, sollte sich in Mathematik und Physik etwas zutrauen und möglichst schon in seiner Schulzeit in wenigstens einem der beiden Fächer einen entsprechenden Schwerpunkt gesetzt haben. Daneben sind englische Sprachkenntnisse unverzichtbar.



Meteorologie ist keine Fortsetzung der Wetter- und Klimakunde aus dem Erdkundeunterricht, die Sachverhalte nur beschreibt. Meteorologen müssen prognosefähig werden, also lernen, wie sich Wetter-, Klima- oder Umweltveränderungen vorhersagen lassen. Dies erfordert einen sicheren Umgang mit den grundlegenden Gleichungen der Physik und den zu ihrer Lösung benötigten mathematischen Verfahren. Es erfordert Kenntnisse in modernen Messmethoden, den sicheren Umgang mit großen Datenmengen und nicht zuletzt logisches Denken.



Da der Zustand der Atmosphäre nicht allein durch die Physik beschrieben wird, gibt es in der Meteorologie zahlreiche interdisziplinäre Verknüpfungen mit der Chemie, Biologie oder Geophysik, die von den Studierenden oft als Nebenfach zum Hauptstudienfach Meteorologie gewählt werden.



Internationale Kontakte



Meteorologen arbeiten typischerweise in internationalen Kontexten, denn Wetter, Klima und Umweltprobleme hören nicht an Landesgrenzen auf. Die weltweite "Meteorologen-Community" ist überschaubar und gut miteinander vernetzt. Basierend auf diesen Kontakten gibt es nicht nur eine rege internationale Zusammenarbeit, sondern auch einen teilweise fest durch Verträge zwischen mehreren Universitäten organisierten Studentenaustausch. Die Mehrzahl der Meteorologie-Studierenden hat bis zum Ende des Studiums Auslandserfahrungen gesammelt, entweder durch ein Auslandssemester oder ein Auslandspraktikum, die Teilnahme an einer internationalen Feldmesskampagne, an einer wissenschaftlichen Konferenz oder an einer im Ausland stattfindenden "summer school".



Studienbedingungen



Vergessen Sie alles, was Sie in der Presse über miserable Studienbedingungen an deutschen Universitäten gelesen haben, in der Meteorologie ist alles anders. Sie gehört zu den zahlenmäßig kleinen Fachrichtungen. Im Vergleich zur Physik mit jährlich etwa 9000 Studienanfängern nehmen bundesweit nur etwa 250 Abiturienten das Meteorologiestudium auf. Es geht in der Meteorologie also keineswegs anonym zu. Sie lernen Ihre Professoren schon in der ersten Woche des Studiums kennen, es gibt keine überfüllten Lehrveranstaltungen oder lange Anmeldelisten für Sprechstunden. An fast allen Studienstandorten existiert ein Mentorensystem mit regelmäßigen Treffen zwischen Professoren und Studierenden, bei denen Probleme diskutiert werden und gemeinsam nach Lösungen gesucht wird. Die Lehrenden wissen, dass ihre Studenten ein anspruchsvolles Studienfach gewählt haben, für dessen Bewältigung sie Hilfe brauchen. Die Studienanfänger werden wissensmäßig dort abgeholt, wo sie am Ende der Schulzeit normalerweise stehen. Trotz dieser guten Rahmenbedingungen wird im Studium nur erfolgreich sein, wer gelernt hat, sich selbst zu organisieren, zu konzentrierter Arbeit fähig ist, das Studium nicht nur nebenbei betreibt und, ganz besonders wichtig, ein wirkliches Interesse am Fachgebiet hat.
Die Meteorologen sind auf Forschungsfeldern mit erheblicher gesellschaftlicher Resonanz vertreten. Kein anderes kleines Fach entwickelt eine derartige Öffentlichkeitswirksamkeit. Ob es in der Vergangenheit um die Erforschung des "Sauren Regens" oder des "Ozonlochs" ging oder heute um den Schutz vor terroristischen Anschlägen oder den globalen Wandel und seine Auswirkungen auf Klima und Umwelt, stets waren und sind Meteorologen maßgeblich beteiligt.



Zulassungsbedingungen



Die Zulassungsbedingungen für das Fach Meteorologie sind an den einzelnen Standorten sehr unterschiedlich. An einigen Studienstandorten (z.B. Hamburg, Leipzig) übersteigt die Nachfrage das Angebot erheblich, es gibt daher einen örtlichen Numerus Clausus. Die Zulassungsschwelle liegt bei von Jahr zu Jahr verschiedenen Abitur-Durchschnittsnoten zwischen 2,0 und 2,5. An anderen Studienorten gibt es bisher dagegen keine Zulassungsbeschränkungen.
Die BSc.-Studiengänge beginnen üblicherweise mit einem Wintersemester, Bewerbungsschluss bei den Universitäten ist meist am 15. Juli eines Jahres. Bitte informieren Sie sich auf den Homepages der Universitäten, welche Unterlagen Sie einreichen müssen und halten Sie die dort gemachten Vorgaben genau ein.



Studienorte für Meteorologie



Meteorologische Bachelor- und Masterstudiengänge werden in Berlin (FU), Bonn, Karlsruhe, Hamburg, Hannover, Leipzig und Mainz angeboten. In Frankfurt soll der traditionelle Diplomstudiengang zum WS 2008/09 auf das BSc./MSc.-System umgestellt werden, wobei der BSc.-Studiengang möglicherweise als Vertiefungsfach in den Physik-Studiengang integriert wird. In München (LMU) wurde dies bereits zum WS 2006/07 durchgeführt. In Köln gibt es einen gemeinsamen BSc.-Studiengang für Meteorologie und Geophysik, in Kiel für Meteorologie, Geophysik und Ozeanographie. Es ist wahrscheinlich, dass an allen genannten Orten auch meteorologische Masterstudiengänge eingerichtet werden. Darüber hinaus gibt es kleine meteorologische Lehrangebote an mehreren Universitäten, meist eingebettet als Nebenfach oder Vertiefungsrichtung in forstwirtschaftliche oder ökologische Studiengänge.


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Kommentare


07.04.2014 von Poriya Nouripour
sehr hilfreich ,kann man mit Meteorologische Bachelorabschluss später Astronomie für Master studieren?
19.02.2014 von Benny Bachhofer
Interessanter bis sehr interssanter Artikel zum Studiengang
03.02.2014 von www.buycheappromdresses.com slexnbm@gmail.com
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10.11.2011 von Marcel Rieder
Sehr hilfreich
16.07.2010 von Michael schatzmann
Lieber Herr Kottmeier, tut mir leid, aber da haben Sie unrecht. Auch auf dem Gebeit des Bevölkerungsschutzes sind Meteorologen aktiv.
14.01.2010 von horst schlämmer
Dieser wundervolle text hat mir in nawi sehr geholfen :D:D
07.09.2009 von horst ki
geil
10.04.2009 von Christoph Kottmeier
Eine insgesamt sehr gute Übersicht zum Studienfach. Nur der Hinweis zum Arbeitsfeld "Schutz vor terroristischen Anschlägen" ist falsch.


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Prof. Dr. Michael Schatzmann und Prof. Dr. Martin Claußen

Michael Schatzmann (r.) ist Direktor des Zentrums für Meeres- und Klimaforschung der Universität Hamburg
Martin Claußen ist Professor für Meteorologie an der Universität Hamburg und Direktor und Wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Meteorologie

Zentrum für Meeres- und Klimaforschung, Uni HamburgMax-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg

Ein Projekt von

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Dieter Etling

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