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Archäologie

Beitragsserie Archäologie

Prof. Dr. Ulrich Veit und Prof. Dr. Ernst Pernicka

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Aktuelle Forschung und Perspektiven

Durch archäologische Untersuchungen werden grundsätzlich alle Bereiche menschlicher Kultur von der Umwelt über die Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft bis hin zur Religion abgedeckt, auch wenn die spezifische Quellenlage nicht auf jeden dieser Bereiche ein gleich guten Zugriff ermöglicht.
Aufgrund ihres Charakters als einer historischen Wissenschaft ist für die Archäologie der Unterschied zwischen Gegenwart und Vergangenheit und die Beschäftigung mit Fragen sozialen und kulturellen Wandels zentral. Insbesondere kann die Archäologie besser als andere historische Fächer Aussagen über sehr langsam verlaufende, langfristige kulturelle Veränderungen machen. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang Fragen nach dem jeweils frühesten Nachweis bestimmter Kulturelemente und nach den Ursachen für ihre Entstehung (erster Nachweis von Werkzeugen, erste Bildwerke, Entstehung bäuerlicher Gemeinschaften, die Entwicklung des Metallhandwerks). Ein besonderer Fokus der jüngeren Forschung ist dabei die Entstehung von sozialer Ungleichheit, die Bildung von Staaten usw.



Darüber hinaus untersuchen Archäologen weltweit Besiedlungsvorgänge und versuchen so in Zusammenarbeit mit Vergleichender Sprachwissenschaft und Humangenetik die Erschließung der Welt durch menschliche Gemeinschaften regional wie global nachzuzeichnen. Damit im Zusammenhang steht die Frage der Anpassung menschlicher Gemeinschaften an unterschiedliche Naturräume.


Ein weiteres Forschungsfeld bildet der Nachweis von Kulturkontakten zwischen politisch und ökonomisch unterschiedlich strukturierten Gesellschaften wie Staaten und Häuptlingstümern. Dabei geht es um Fragen der Rohstoffversorgung und des Handels mit spezifischen Fertigprodukten ebenso wie um Belege für den Austausch von Prestigegütern. Selbstverständlich bilden auch kriegerische Auseinandersetzungen ein wichtiges Thema archäologischer Forschung, auch wenn die ereignisgeschichtliche Dimension anhand archäologischer Quellen in der Regel nicht erfasst werden kann.


Schließlich bemüht sich die Archäologie in jüngerer Zeit auch verstärkt darum, die kulturellen Bedeutungen, die in prähistorischen Monumenten oder Artefakten kodiert sind, zu entschlüsseln.



Perspektiven



Die Berufsaussichten für Archäologinnen und Archäologen sind, wie in allen nicht direkt auf eine bestimmte Anwendung bezogenen Fächern, alles andere als rosig. Dennoch ist es mit entsprechender Motivation und entsprechend langem Atem möglich, hauptberuflich archäologisch tätig zu sein.


Stellen für promovierte Archäologen gibt es in verschiedenen Bereichen. Ein wichtiger Sektor ist dabei die archäologische Denkmalpflege (auch: Bodendenkmalpflege oder international Cultural Heritage Management). Dazu kommen Stellen in archäologischen Spezialmuseen bzw. in allgemein kulturgeschichtlichen Museen. Schließlich bieten die Universitäten und wenige Forschungsinstitute (etwa das Deutsche Archäologische Institut mit seinen verschiedenen Abteilungen) in einem begrenzten Umfang Beschäftigungsmöglichkeiten für Archäologen. Wie in vielen anderen Bereichen ist der Einstieg meist von befristeten Arbeitsverhältnissen gekennzeichnet.


Daneben hat sich in Deutschland inzwischen auch ein begrenzter privater Bereich etabliert in dem ausgebildete Archäologinnen und Archäologen spezielle Dienstleistungen für öffentliche und private Auftrageber) anbieten (Prospektion, Grabungen, Ausstellungen, Publikationen).


Außerhalb des engeren Faches bieten schließlich auch der Medienbereich und die Tourismusbranche (Reiseführer) in begrenztem Umfang Beschäftigungsmöglichkeiten für Archäologen mit entsprechenden Zusatzqualifikationen.


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02.07.2012


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Prof. Dr. Ulrich Veit und Prof. Dr. Ernst Pernicka

Ulrich Veit (l.) ist außerplanmäßiger Professor für Ur- und frühgeschichtliche Archäologie, Ernst Pernicka ist Professor für Naturwissenschaftliche Archäologie am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen

Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Uni Tübingen

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