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Archäologie

Beitragsserie Archäologie

Prof. Dr. Ulrich Veit und Prof. Dr. Ernst Pernicka

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Fachgebiete der Archäologie

Die von der Quantität her wichtigsten Archäologiefächer sind die Klassische Archäologie und die Prähistorische Archäologie. Der Gegenstand der Klassischen Archäologie ist die griechische und römische Kultur, während die Prähistorische Archäologie sich in globaler Perspektive mit den schriftlosen oder schriftarmen Kulturen, die vor bzw. neben den Hochkulturen existierten beschäftigt.
Beide Fächer unterschieden sich nicht nur deutlich in der geographischen und zeitlichen Abgrenzung ihrer Arbeitsgebiete, sondern auch hinsichtlich ihrer Methodologie. Während die Klassische Archäologie traditionell einen deutlichen Schwerpunkt im Bereich der Kunst- bzw. Bildwissenschaft hat, tritt dieser Bereich in der Prähistorischen Archäologie aus Mangel an entsprechenden Quellen stark zurück. An seine Stelle treten vor allem systematische Analysen von Alltagsgegenständen sowie vergleichende Untersuchungen zu Siedlungsweise, Wirtschaft, Grabsitten und Kult. Neben der archäologischen Feldmethodik kommt dabei ein breites Spektrum an speziellen Methoden sowohl aus den Geistes- wie aus den Naturwissenschaften zum Einsatz.



Thematische und regionale Spezialisierungen



Eine Zwischenstellung zwischen Klassischer und Prähistorischer Archäologie nimmt die Provinzialrömische Archäologie ein, die sich mit den Überresten der römischen Kultur nördlich der Alpen beschäftigt. Sie bearbeitet primär mittels prähistorisch-archäologischer Methodik einen Randbereich der klassischen Antike.


Auch die Vorderasiatische, Biblische und Mittelalterarchäologie orientieren sich heute in ihrer Methodik an jener der Prähistorischen Archäologie, können aber zusätzlich auf schriftliche Überlieferungen zurückgreifen und mit der materiellen Hinterlassenschaft verknüpfen, wodurch es möglich wird, auch in die Gedankenwelt alter Kulturen einzudringen.



Innerhalb des skizzierten Feldes der archäologischen Fächer gibt es nicht nur zahlreiche regionale Spezialisierungen (z. B. Ägäische Archäologie, Etruskologie), sondern auch verschiedene thematische Spezialisierungen. Sie sind zumeist auf die Erforschung bestimmter Quellengruppen ausgerichtet. So erforscht z.B. die Epigraphik archäologische Gegenstände mit Inschriften und die Numismatik Münzen. Sehr dynamisch hat sich den letzten Jahrzehnten die Naturwissenschaftliche Archäologie entwickelt, die ihrerseits in verschiedene Teildisziplinen untergliedert werden könnte (Archäobotanik, Archäozoologie, Archäometallurgie, Geoarchäologie, etc.). Institutionell sind diese Forschungszweige allerdings zumeist von der Archäologie unabhängig, wie auch die Paläoanthropologie oder Prähistorische Anthropologie, die sich mit der Analyse menschlicher Skelettreste beschäftigt.



Eine etwas andere Form der Spezialisierung kennzeichnen die Ethnoarchäologie und die Experimentelle Archäologie. Der Begriff Ethnoarchäologie steht für die Untersuchung lebender Gesellschaften mit den Mitteln der Archäologie. Ziel ist es, Regelmäßigkeiten im Verhältnis von gelebter Kultur und materiellem Niederschlag zu erhalten, um dadurch jene Fälle, in denen uns nur archäologische Quellen zur Verfügung stehen, besser beurteilen zu können. Experimentelle Archäologie bezeichnet den experimentellen Nachvollzug von alten Technologien mit dem Ziel, diese besser zu verstehen. Sie spielt im Bereich der Vermittlung archäologischen Wissens an die Öffentlichkeit in Freilichtmuseen eine wichtige Rolle.


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Prof. Dr. Ulrich Veit und Prof. Dr. Ernst Pernicka

Ulrich Veit (l.) ist außerplanmäßiger Professor für Ur- und frühgeschichtliche Archäologie, Ernst Pernicka ist Professor für Naturwissenschaftliche Archäologie am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen

Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Uni Tübingen

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