Nicht nur chemische Substanzen können süchtig machen: Manche Menschen werden von Spielautomaten magisch angezogen, andere sind von sexuellen Begierden wie besessen. Doch ein suchtähnliches Verhalten fällt durch seine Allgegenwart aus der Reihe – die beliebteste Freizeitaktivität der Welt, das Fernsehen.

Die meisten Menschen pflegen ihm gegenüber eine Art Hassliebe: Fernsehen sei verlorene Zeit, sagen sie und halten nicht viel von "Couch Potatoes", die stundenlang "vor der "Glotze hängen" – aber dann machen sie es sich selbst auf dem Sofa gemütlich und greifen zur Fernbedienung. Viele Eltern sorgen sich um den Fernsehkonsum ihrer Kinder, wenn schon nicht um ihren eigenen. Sogar Sozialwissenschaftler, die sich berufsmäßig mit dem Fernsehen beschäftigen, staunen immer wieder, wie das Medium sie selbst in seinen Bann zieht. Percy Tannenbaum von der Universität von Kalifornien in Berkeley schreibt: "Zu den eher peinlichen Momenten im Leben gehören für mich die unzähligen Gelegenheiten, bei denen während des Gesprächs ein Fernseher lief und ich beim besten Willen nicht umhin konnte, von Zeit zu Zeit einen Blick darauf zu werfen. Das passiert mir nicht nur bei langweiligen Gesprächen, sondern auch bei durchaus interessanten."

Seit Jahrzehnten werden die Auswirkungen des Fernsehkonsums wissenschaftlich untersucht, insbesondere die Frage, ob der häufige Anblick von Gewalt im Fernsehen zu gewalttätigem Verhalten führt. Weniger Aufmerksamkeit widmete man dem verführerischen Reiz der Mattscheibe selbst, das heißt, dem Medium im Gegensatz zur Botschaft.

Der Ausdruck "Fernsehsucht" ist sicherlich unpräzise und keineswegs wertfrei, doch er trifft den Kern eines echten Phänomens. Psychologen und Psychiater definieren "Abhängigkeit" als eine Störung mit folgenden Merk