Bislang existiert die Öko-Stadt noch überwiegend als Modell. Spätestens 2016 soll Masdar 50 000 Menschen eine Heimat bieten.
Und die Pläne in Abu Dhabi reichen weiter. Das Emirat, das fast ein Zehntel der Weltölreserven besitzt, will eine Pionierrolle auf dem Gebiet der regenerativen Energien einnehmen. "Das Emirat verpflichtet sich, bis 2020 mindestens sieben Prozent seiner gesamten Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien zu speisen", sagte Sultan Al Jaber, Chef der Abu Dhabi Future Energy Company, im Januar anlässlich des "Weltgipfels für Zukunftsenergien" in Abu Dhabi. In den kommenden zehn Jahren könne damit ein Markt von sechs bis acht Milliarden Dollar geschaffen werden. Davon profitieren auch deutsche Firmen. Kooperationen mit Eon und dem TÜV Rheinland laufen bereits, und die Hersteller Schott, Q-Cells sowie Conergy haben ihre Solarzellen in Masdar installiert. Zudem baut die deutsch-arabische Masdar PV in Erfurt eine Fotovoltaikfabrik als Referenzanlage für Abu Dhabi.
Um die technologischen Herausforderungen einer Öko-Stadt in der Wüste meistern zu können, verfügt Masdar über eine eigene technische Hochschule. Das Masdar Institute of Science and Technology ist Teil der Öko-Stadt und widmet sich ausschließlich erneuerbaren Energien. In Kooperation mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) wurde ein Konzept entwickelt, das Studierende und Forscher in die Entwicklung neuer Technologien und städtebauliche Projekte einbindet – der Hochschulbetrieb startet im September mit 100 Studenten.
Wind, Sonne und Sparen
Neben Solarenergie sollen Windkrafträder und geothermische Anlagen die Stadt mit Strom versorgen. Ein weiterer Fokus liegt zudem auf der Reduzierung des Energiebedarfs. In Masdar soll der Verbrauch gegenüber vergleichbaren Städten um drei Viertel gesenkt werden, so der englische Star-Architekt Norman Foster, der die Öko-Stadt geplant hat. Erreicht werden soll das zum einen durch innovative Technologien, zum anderen aber auch durch Anlehnung an die traditionelle Bauweise der Region.
Wie im arabischen Raum seit jeher üblich, stehen die Häuser in Masdar dicht an dicht. So spenden sie sich nicht nur gegenseitig Schatten, sondern schützen auch Fußwege und Plätze vor der Wüstensonne. Parks und Wasseranlagen sorgen für zusätzliche Kühlung. Auf Klimaanlagen werden die künftigen Bewohner von Masdar dennoch nicht verzichten können – kein Wunder bei Temperaturen, die im Jahresdurchschnitt über 30 Grad Celsius liegen.
Autos hingegen werden vollständig aus der Stadt verbannt. Dafür ist ein feinmaschiges Transportnetz in Planung, das die Bewohner in fahrbaren Kabinen über ein Schienensystem an jeden gewünschten Ort bringt. Viel Raum wird außerdem für Fußgänger reserviert; die gute Erreichbarkeit aller öffentlichen Plätze und Einrichtungen hatte bei der Städteplanung Priorität. Auch Abfallvermeidung und Entsorgung sind Teile des Konzepts – innovative Ideen in einer Region, in der Recycling, Kompostierung und wiederverwendbare Verpackungen bisher eher Fremdwörter sind.
So soll bereits in wenigen Jahren die Öko-Stadt Masdar den gelebten Beweis antreten, dass klimaneutrale Lebensräume Realität werden können. Die Projektverantwortlichen jedenfalls sind sich sicher: "Eines Tages werden alle Städte wie diese gebaut."





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