Chu sprach auf einer Nobelpreisträgertagung in London und rechnete vor, dass große Mengen an Energie eingespart werden könnten, wenn alle Dächer in Amerika und sogar weltweit weiß gestrichen würden. Denn während dunkle Dächer nur rund 20 Prozent des Sonnenlichts reflektieren, strahlen weiße Dächer bis zu vier Fünftel der Strahlung in den Weltraum zurück: Gebäude müssten weniger stark klimatisiert werden, und würden zudem noch alle Straßen und Gehwege hell gestrichen, sorgte das für weitere Abkühlung. Insgesamt ließen sich so enorme Mengen an Kohlendioxid einsparen – so viel wie weltweit alle Autos in elf Jahren ausstoßen, meint Chu.
Griechenlands Hauptstadt wird im Sommer zum Brutkasten: Die Betwonwüste heizt sich unter der Sonne des Mittelmeers extrem auf – wer kann, flieht dann ans nahe Meer.
Riskante Wärmekammern
Denn Städte sind Hitzeinseln: Schon heute ist die jährliche Durchschnittstemperatur in Städten um ein bis drei Grad Celsius höher als im Umland. In klaren, windstillen Nächten beträgt der Unterschied sogar bis zu zwölf Grad Celsius. Hervorgerufen wird dieser sogenannte "urbane Hitzeeffekt" vor allem durch die Sonne. Anders als relativ helle Felder und Wälder absorbieren dunkle Gebäude und Straßen einen großen Teil ihrer Strahlen und heizen sich während des Tages auf. In der Nacht wird diese Hitze nur langsam wieder abgegeben, was dazu führt, dass es in Städten meist rund um die Uhr wärmer ist als außerhalb.
Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle: Versiegelte Oberflächen lassen Regenwasser schneller ablaufen, ein Teil der natürlichen Kühlung fällt dadurch aus. Weil Bäume und Grünflächen fehlen, ist die Evapotranspiration – die Verdunstung von Wasser – geringer. Zudem gibt es, wo Bäume fehlen, keinen Schatten. Die Folge ist ein weiterer, sekundärer Aufheizungsseffekt.
Traditionell verputzen die Griechen ihre Häuser mit weißem Kalk: Das reflektiert die Sonnenstrahlung und mindert die Erwärmung.
Begrünen oder Reflektieren
Bereits im Oktober 2008 hat die EPA unter dem Titel "Reducing Urban Heat Islands" ein Kompendium herausgegeben, das Planern und Architekten bei der Entwicklung neuer Programme und Projekte helfen soll. Auf knapp 180 Seiten beschreibt es, mit welchen kurz-, mittel- und langfristigen Möglichkeiten es gelingen kann, einer weiteren Aufheizung durch den Klimawandel entgegen zu wirken. Unter anderem werden verschiedenste Varianten vorgestellt, die Dächer von Gebäuden zu kühlen, und unterscheiden dabei zwischen "Cool Roofs" und "Green Roofs". "Green Roofs" erschließt sich recht schnell als Dachbegrünung, "Cool Roofs" sind dagegen Dächer, die das Sonnenlicht besonders gut reflektieren oder nur geringe Hitzemengen speichern können. Rund 1600 Produkte werden in den USA inzwischen dafür angeboten – Tendenz steigend. Das Spektrum reicht von hellen Folien bis hin zu speziellen Dachsteinen, die zwar aussehen wie normale, aber besonders gut Hitzestrahlen reflektieren.
Das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz von Nordrhein-Westfalen setzt dagegen in seinen Leitfäden ganz auf die Methode der Dachbegrünung. Aus gutem Grund: Grüne Dächer mildern nicht nur die im Verlauf eines Jahres auftretenden Temperaturextreme, sie wirken sich auch positiv auf den Wasserhaushalt aus. 70 bis 100 Prozent der Niederschläge werden von der Vegetationsschicht aufgefangen und durch Verdunstung wieder an die Stadtluft abgegeben, was zur Abkühlung der Luft in den Städten beiträgt – ähnlich wirkt die Begrünung von Hausfassaden. Durch diese beiden Maßnahmen allein ist je nach herrschendem Klima und der Art der städtischen Bebauung eine Reduktion der Temperatur um 11,3 bis 3,6 Grad Celsius möglich.
Zu den berühmtesten Stadtparks der Welt gehört der Central Park in New York. Die große Grünfläche ist ein Anziehungspunkt für zahlreiche Städter und Zufluchtsort, wenn sich im Sommer die Hitze in den angrenzenden Straßenfluchten staut.
Lieber viele kleine Parks
Viel besser als die bei Stadtplanern beliebten breiten Frischluftschneisen, so die Forscher, sei eine unterschiedlich hohe Bebauung, viele Grünflächen und Parks mit Gruppen von Bäumen und Büschen sowie vielen Wiesen. Der Wind stoße so immer wieder auf Hindernisse, Luftwirbel könnten sich bilden und immer wieder kühle Luft aus der Höhe in Richtung Boden ziehen. So bleibe die Luft in Bewegung und kühle optimal.
Empfehlenswert ist es zudem, mehr offene Wasserflächen anzulegen. Auch sie tragen zur Kühlung der Stadtluft bei und haben eine ausgleichende Wirkung auf die Lufttemperatur in ihrer Umgebung. Denn Wasser erwärmt sich im Vergleich zu Luft nur langsam. Dadurch sind Wasserflächen im Sommer relativ kühl und im Winter relativ warm. Insbesondere Springbrunnen oder andere Wasserzerstäuber tragen besser noch als stehendes Wasser zur Kühlung durch Verdunstung bei.
Besser als ein großer Park wirken viele kleine Gärten und Grünanlagen dem Hitzeinseleffekt großer Städte entgegen. Platz für Büsche und Wiesen gäbe es auf den zahlreichen Flachdächern zur Genüge.


Die Autorin ist freie Wissenschaftsjournalistin in Berlin.






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