Mit wirklich winzigen Methusalemen kann Michael R. Rose, Evolutionsbiologe an der Universität von Kalifornien in Irvine, aufwarten: Durch fortgesetzte Auslese und Paarung der jeweils langlebigen Männchen und Weibchen hat er Stämme der Taufliege Drosophila melanogaster erhalten, die nach seiner Aussage fast doppelt so lange leben wie ihre ohne solche Zuchtwahl sich im Labor fortpflanzenden Artgenossen.

Aber das ist nicht ihre einzige bemerkenswerte Eigenschaft. Rose sieht in ihnen „Superfliegen“, die „in jedem Lebensalter vergleichsweise robuster und widerstandsfähiger gegenüber Stress“ seien. Selbst viele betagte Exemplare findet er noch kräftiger als gewöhnliche junge (Bild 1). Anhand dieser Zuchtstämme können Rose und seine Mitarbeiter nun nach den Genvarianten – den Allelen – fahnden, auf welche die Unterschiede zwischen den Super- und den Standardfliegen wohl zurückzuführen sind. Ein in Frage kommendes Allel vermochten sie bereits zu lokalisieren.

Diese Untersuchungen an den etwa zweieinhalb Millimeter großen Taufliegen sind einer von vielen aktuellen Ansätzen der Forschung, die insgesamt letztlich aufklären sollen, warum wir Menschen altern, warum Verfall und Tod unausweichlich sind. Ermutigende Befunde in verschiedenen Fachgebieten lassen hoffen, daß sich die Zusammenhänge einmal durchschauen lassen. „Wir tappen nicht mehr völlig im Dunkeln, nur noch im Dämmer“, konstatiert Huber R. Warner vom Nationalen Altersforschungsinstitut der USA in Bethesda (Maryland).

Einige der Wissenschaftler, die sich auf neue Weise dem alten Schicksalsrätsel stellen, versprechen sich sogar Mittel und Wege, den – wie sie meinen, intern gesteuerten – Alterungsprozeß zu bremsen, also den natürlichen Tod hinauszuschieben. Sie hoffen, dabei zugleich Möglichkeiten zu finden, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere behindernde oder tödliche Leiden, die mit höherem Lebensalter häufiger auftreten, ebenfalls hinauszuzögern oder sogar zu verhüten. „Ideal wäre“,