Mensch und Waldmensch im Gespräch
Faszinierenderweise sind sich die Kommunikationsstrategien zwischen zottelig-rothaarigem Menschenaffen und Mensch so ähnlich, dass sie sich wortlos verstehen, wie die Evolutionspsychologen Erica Cartmill und Richard Byrne von der Universität St. Andrews in Schottland in Nahrungswahlexperimenten beobachtet haben.
In allen Fällen signalisierten die Orangs zu Beginn der Durchläufe ihr Verlangen nach der leckeren Mahlzeit durch Starren oder Handbewegungen. Der Experimentator reagierte, indem er die Leckerei ganz oder zur Hälfte herausrückte, oder er reichte seinem Gegenüber die unerwünschte Sättigungsbeilage. Im ersten Fall war das Spiel für die Menschenaffen erledigt, sie hatten alles, was sie sich erhoffen konnten. Im zweiten Fall versuchten sie auch die zweite Hälfte zu bekommen, während sie bei der dritten Variante dem Mitspieler klar zu machen versuchten, dass er sie missverstanden hatte.
Orang-Utans spielen Scharade
Die eingesetzten Stategien seien dabei wie beim menschlichen Scharadespiel, erklären die Primatologen:
"Die unterschiedlichen Kommunikationsstrategien der Orangs zeigen, dass sie auf der gedanklichen Ebene des Experimentators gehandelt haben"
(Erica Cartmill)
Hätten die Orangs das Gefühl völlig missverstanden zu werden, erweiterten sie das Repertoire ihrer Gebärden und vermieden die zuvor erfolglos eingesetzten Gesten. Würden sie hingegen grundlegend – aber immer noch unzureichend – verstanden, wiederholten sie wenige, eindeutige Bewegungen häufiger.(Erica Cartmill)
Orang-Utans scheinen demnach in der Lage zu sein, in kurzer Zeit die Gedankenwelt ihres Gegenübers zu erfassen und ihr Verhalten darauf abzustimmen – mit dem Ziel schneller und erfolgreicher Verständigung. "Die unterschiedlichen von den Orang-Utans in unserer Studie verwendeten Kommunikationsstrategien haben gezeigt, dass sie auf der gedanklichen Ebene des Experimentators gehandelt haben", fasst Erica Cartmill die Ergebnisse zusammen. Sie verfügten damit über ähnliche Fähigkeiten wie Kleinkinder von Homo sapiens, die in vergleichbarer Weise zwischen Kommunikationsstrategien abwägten.
Die Anfänge komplexer Kommunikation
Frühere Studien hätten bereits gezeigt, dass auch andere Tiere wie Schimpansen (Pan troglodytes), Bonobos (Pan paniscus), Große Weißnasenmeerkatzen (Cercopithecus nictitans) oder auch Hunde und Papageien in der Lage sind, Begriffe zu lernen und eigene Bedürfnisse oder Wünsche in teils atemberaubendem Vokabular zu artikulieren.
"Wir sehen hier das natürliche Kommunikationsverhalten von Orang-Utans"
(Richard Byrne)
Die Besonderheit bei den Orang-Utans sehen die Primatologen nun in der Tatsache, dass die Affen ihre Strategie gezielt an das Gegenüber anpassten. "Ich glaube, wir sehen hier das natürliche Kommunikationsverhalten von Orang-Utans", meint Richard Byrne, somit gebe das Verhalten auch Hinweise auf die evolutiven Anfänge komplexer Verständigung.
(Richard Byrne)
Die beiden Evolutionspsychologen testeten übrigens auch ein ausgewachsenes Orang-Männchen mit demselben Versuchsaufbau auf seine Kommunikationsfertigkeiten – ohne Erfolg, der Herr zeigte keinerlei pantomimische Begabung. Vielleicht schlägt sich hier der stark ausgeprägte Sexualdimorphismus der Art nieder: Weibliche und männliche Orang-Utans unterscheiden sich erheblich in ihrem Körperbau. Es könnte also sein, dass die großen, starken Männchen eher schwach im Kommunizieren sind.







drucken




Graue Substanz |
Natur des Glaubens |
Con Text |
MENSCHEN-BILDER |
Landschaft & Oekologie |
Mente et Malleo |
Polarstern unterwegs |
WIRKLICHKEIT |
Robotergesetze |
NeuroKognition |
bildungslücke |
braincast | 





