Mitglieder des Louisiana Department of Wildlife and Fisheries versuchen einen verölten Pelikan zu fangen, weil sie ihn säubern wollen.
Der Nutzen dieser zweifelsohne gut gemeinten Hilfe ist jedoch sehr gering, geben Fachleute wie der Ornithologe Markus Nipkow vom Naturschutzbund (NABU) zu bedenken: "Nur ein sehr geringer Teil der verölten Vögel gelangt überhaupt an Land. Viele verenden bereits auf dem Meer und werden, wenn überhaupt, nur tot angespült." Das zeigt zum Beispiel der Fall der "Pallas", eines Holzfrachters, der 1998 vor der Küste Schleswig-Holsteins auf Grund lief. Insgesamt wurden dabei zwar nur rund 60 Tonnen Schweröl freigesetzt, die jedoch schwere Folgen für die Seevögel der Region hatten, so Nipkow: "Wir schätzen, dass insgesamt etwa 26 000 Vögel verölt wurden, von denen Helfer etwa die Hälfte am Strand einsammelten – das ist schon eine außergewöhnlich hohe Zahl. Doch nur 1100 konnte man überhaupt noch lebend in die Pflegestationen bringen."
Belastender Waschgang
Dort angekommen, unterziehen Tierärzte und Pfleger die Tiere einer intensiven Waschprozedur: Sie werden in Schüsseln mit Seifenlauge gespült, das Gefieder eingeseift und gebürstet, bis die Federn wieder optisch einwandfrei aussehen. Mittlerweile hat man sogar richtige Vogelwaschmaschinen entwickelt, in denen die Tiere an Beinen und Flügeln fixiert sind und aus denen nur noch der Kopf herausschaut. Anschließend umkreisen Warmwasserdüsen den Patienten minutenlang und spülen alle Ölreste heraus, so dass sich das Behandlungspersonal nicht mehr selbst gefährdet – das Öl ist schließlich häufig ziemlich toxisch. Da die Seifenkur die isolierende Wirkung des normalerweise eingefetteten Gefieders zerstört, müssen die Probanden anschließend unter die Wärmelampe, wo sie auch mit Nahrung aufgepäppelt werden. Eine neue Methode aus Australien versucht sogar, das schwarze Schmiermittel mit Hilfe von Eisen zu beheben: Das pulverisierte Metall saugt das Öl auf und wird dann mit Hilfe von Magneten aus dem Gefieder gezogen.
Für dieses Tier kommt jede Hilfe zu spät: Es starb im Öl der Deepwater-Horizon-Katastrophe.
Nur ein winziger Teil der insgesamt von Ölunfällen betroffenen Tiere kommt in Auffangstationen, wo sie gereinigt werden können wie dieser Pelikan. Die meisten verenden bereits auf hoher See.
Ausnahmefall Pinguin
Der Ornithologe Ommo Hüppop vom Institut für Vogelforschung auf Helgoland geht einen Schritt weiter: "Es ist besser, die Vögel gleich tierschutzgerecht zu töten, als sie zu putzen. Diese Waschtortur ist für die Tiere sehr belastend, und es gibt keine Indizien dafür, dass sich gereinigte Individuen wieder in nennenswertem Umfang in die Population integrieren." Eine Haltung, der sich die großen deutschen Naturschutzverbände und das Land Schleswig-Holstein durchweg anschließen – zumal die im Nordatlantik verbreiteten Seevögel meist in riesigen Kolonien brüten und eine Ölpest ihren Gesamtbestand unwesentlich und allenfalls lokal beeinträchtigt.
Für die meisten Tiere bringt auch die Reinigung keine Hilfe mehr – meist wäre es humaner, sie gleich tierschutzgerecht zu töten, weil sie zu stark verschmutzt sind.
Angesichts der Unmengen an Seevögeln in den hiesigen Brutkolonien wäre dies nicht möglich – zumal eine Tankerkatastrophe in der Deutschen Bucht die Kapazitäten der beiden deutschen Auffangstationen weit überfordern würde: Beide bieten gerade einmal jeweils rund 100 Tieren Platz. "Bei fünf- oder sechsstelligen Opferzahlen, wie sie im Normalfall bei diesen Unglücken auftreten, könnten wir selbst beim besten Willen nichts tun", sagt daher Markus Nipkow. Die enormen finanziellen Mittel für die Reinigung wären in anderen Naturschutzprojekten ohnehin besser angelegt, so Hüppop: "Das klingt brutal. Aber uns sterben ganz andere Arten unter den Händen weg als die recht häufigen Seevögel." Hans-Uwe Rösner schließt sich an: "Das beste Gegenmittel ist ohnehin mehr Sicherheit bei Tankern und Ölplattformen. Denn wenn man es versäumt hat, vorzubeugen und schnellstmöglich das Schlimmste zu verhindern – etwa indem man einen Havaristen in die Hafen schleppt –, ist alles andere danach nur mehr Kosmetik."








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