(Johann Wolfgang von Goethe, Die Wahlverwandschaften)
Gibt es irgendeine Kultur, deren Literatur nicht die Vorzüge weiblicher Formen rühmt? Vermutlich nicht. Was die Dichter privat begeisterte, fand zu allen Zeiten auch den Weg in ihr öffentliches Wirken. Kein Konsens herrscht indes in der Frage, worin die Schönheit einer Frau besteht: Große Brüste, kleine Brüste, volle Lippen oder schmale – für all das lassen sich in der Weltgeschichte Belege finden, wenn man nur danach sucht.
Wissenschaftler um Devendra Singh von der Universität von Texas in Austin taten genau das. Sie durchforsteten den Fundus Weltliteratur und richteten ihr besonderes Augenmerk auf eine ebenfalls viel gerühmte Eigenschaft: die Wespentaille. Bei dieser, so vermuteten sie, könnte es sich im Unterschied zu den anderen um ein universelles Schönheitsmerkmal handeln.
Wenn Zufall angesichts dieser Ergebnisse ausgeschlossen ist, muss es gute Gründe dafür geben, dass genau diese Eigenschaft keinen Modeströmungen unterworfen ist. Vermutlich hat hier die Evolution versucht, die Partnerwahl von Homo sapiens in die richtige Richtung zu lenken, sagen die Autoren.
Was die schlanke Taille dem Mann so begehrenswert erscheinen lasse, sei vor allem die Information, die sie über ihre Besitzerin preisgibt. Sie ist der einzige bisher bekannte Körperteil, der verlässliche Rückschlüsse auf Krankheitsrisiken, Östrogenhaushalt und Fruchtbarkeit zulässt – und zwar unabhängig vom Gesamtkörpergewicht. Zahlreiche medizinische Studien konnten das mittlerweile belegen.
Folgt man Singhs literarischer Spurensuche, dann darf es von diesem Fett auch ruhig etwas mehr sein, ohne dass die Attraktivität Schaden nimmt. Einfach abzunehmen verhilft deshalb auch nicht automatisch zu einer schöneren Körperform – für den Eindruck einer schlanken Taille zählt vor allem das Verhältnis zum Rest des Körpers. Übrigens machen da auch Rubens gemalte Schönheiten keine Ausnahme.






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