Der Durchlass vom Atlantik zum Mittelmeer ist nur wenige Kilometer breit – und entsprechend leicht durch die Tektonik abriegelbar. Heute findet ein reger Wasseraustausch zwischen beiden Meeren statt. Deutlich zu erkennen ist dies an den Verwirbelungen östlich der Straße von Gibraltar, wo frisches Wasser aus dem Atlantik auf das salzhaltigere des Mittelmeers trifft.
So schnell diese Wüstenei gekommen war, die sich beispielsweise durch geologische Ablagerungen belegen lässt, so rasch könnte sie auch wieder verschwunden sein. Denn schon nach 170 000 Jahre endete die Salinitätskrise wieder, meinen die Forscher um Garcìa-Castellanos, die den Ablauf der Flutung nun rekonstruierten – in geologischen Maßstäben ein Wimpernschlag.
Zwischen 1500 und 2700 Meter lag der Boden der Einöde damals unterhalb des atlantischen Meeresspiegels – ein erheblicher Höhenunterschied, der einen starken Druck auf die neu entstandene Schwelle bei Gibraltar ausübte. Wind, Wetter und vor allem die Wellen nagten an der Barriere, bis der Ozean schließlich überschwappte.
Wahre Sturzbäche
Zunächst ergoss sich das Wasser jedoch nur zögerlich in das Becken des Mittelmeers, denn die Überlaufrinne war wohl anfänglich relativ flach, wie die Geologen schätzen. Der Prozess verstärkte sich allerdings selbst, wie Beispiele aus anderen Weltregionen zeigen, wenn Stau- oder Gletscherseen ihre Barrieren bearbeiten, bis sie sich schwallartig entleeren. Verglichen mit dem Atlantik war aber beispielsweise der pleistozäne Lake Bonneville, der nach Ende der letzten Eiszeit weite Teile des amerikanischen Westens bedeckt hatte, nur eine Pfütze – auch wenn seine imposanten Erosionsspuren, die er nach dem Ausbruch Richtung Pazifik hinterlassen hat, bis heute deutlich sichtbar sind.
Am Mittelmeer dauerte es mehrere tausend Jahre, in denen das Salzwasser eher gen Osten sickerte. Dann ging plötzlich alles sehr schnell – und radikal: Immer rascher höhlte die Strömung die Passage zwischen Gibraltar und Ceuta aus, und die transportierten Mengen schwollen exponentiell an. Auf dem Höhepunkt der Flut strömten 100 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 140 Kilometern pro Stunde von West nach Ost – zum Vergleich: Der Amazonas als mächtigster Fluss der Erde schüttet heute 1000-mal weniger in den Atlantik. Entsprechend schnell stieg auch der Pegel im Mittelmeer an: zwischenzeitlich jeden Tag um zehn Meter. Innerhalb von nur zwei Jahren, so die Geologen, war Europas liebstes Reiseziel wieder gefüllt.
Das ganze Schauspiel dürfe man sich aber nicht als gigantischen Niagarafall vorstellen, dämpft Garcìa-Castellanos mögliche Rekordhoffnungen: "Dieses Bild eines Wasserfalls bei Gibraltar, das oft vermittelt wird, ist nicht korrekt. Das Wasser floss vielmehr über eine riesige, sanft geneigte Rampe vom Atlantik in das ausgetrocknete Mittelmeer."
Ökologische Umwälzungen
Die Wiedergeburt des Meers löste weit reichende ökologische und klimatische Umwälzungen in der Region aus: Statt des kontinentalen Steppenklimas mit heißen, trockenen Sommern und kalten, trockenen Wintern machten sich bis weit nach Osten mildere mediterrane Bedingungen breit. In Mitteleuropa wurde es wieder feuchter, und die Temperaturen zwischen den Jahreszeiten glichen sich an. Nadelwälder und Grasländer zogen sich in die Gebirge oder weiter nach Osten zurück.
Rekonstruktion der Wiederbefüllung des Mittelmeers: Über eine lange und breite Rampe strömten damals veritable Mengen an Wasser in das ausgetrocknete Becken des Mittelmeers. Den oft beschriebenen Mega-Wasserfall gab es dagegen nicht.
Der rege Wasseraustausch zwischen Atlantik und Mittelmeer blieb dagegen bis heute bestehen, doch das muss nicht für alle Ewigkeit so bleiben. Unter der Straße von Gibraltar wirken immer noch gewaltige Erdkräfte: Sie heben die Schwelle bereits wieder. In zwei bis drei Millionen Jahren könnte der Zufluss erneut versiegen – und unsere Badewanne austrocknen.






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