Alles Quatsch? Nicht in der Welt der berechenbaren sexuellen Selektion: Hinter dem Zusammenhang, so DeBruine, stecken wichtige Kräfte der Evolution. Am Anfang steht dabei ein Luxusproblem der Frau bei der Auswahl eines zukünftigen Vaters ihrer Kinder: Sie kann zwischen besonders maskulinen, robusten Top-Genen für ihren Nachwuchs wählen oder, alternativ, eher Männer mit brutpflegerischen Qualitäten bevorzugen – also solchen, die nicht in Macho-Art nach der Paarung schnell andernorts Vergnügen suchen, sondern sich gerne liebevoll und auf Dauer dem Aufpäppeln der Kinder widmen. Einen Mann, der beide Qualitäten vereint, hat die Studie aus Gründen der gewollten statistischen Eindeutigkeit nicht vorsehen können – immerhin aber auch keinen, der die Kehrseiten beider Medaillen in sich vereint, also ebenso verantwortungslos wie genetisch-gesundheitlich schwächlich ist.
Die Wahl zwischen den zwei Vorzügen – oder Übeln – können Frauen im Labor übrigens mit einem Blick fällen, wie ähnliche Experimente zur sexuellen Selektion beziehungsweise zur Attraktivitätsbewertung von Gesichtern (das ist in dem Forschungszweig dasselbe) nahe legten. Unbewusst sortieren nämlich um eine Attraktivitätseinschätzung gebetene Frauen Männergesichter nach objektiv messbaren Kriterien, zu denen Dinge wie die Kantigkeit des Kinns gehört. Die optischen Merkmale besonders männlicher Gesichter (oder des Gegenteils) können dann zu idealtypischen, computergenerierten Durchschnittsgesichtern gemixt werden. Diese lassen sich subtil in die eine oder andere Richtung verändern. Zwischen zwei solcherart verformten Extremgesichtern durften die Frauen unter der Aufsicht von DeBruine nun wählen.
Die optischen Merkmale besonders männlicher Gesichter (oder des Gegenteils) können mit Computerhilfe zu idealtypischen Durchschnittsgesichtern gemischt werden. Diese lassen sich dann in die eine oder andere Richtung verändern. Frauen, die zwischen beiden Varianten wählen, verraten dabei angeblich viel über ihre Partnerwahl.
Und genau das ist in den Experimenten von DeBruine der Fall: Wo die Lebenserwartung niedrig und Sterblichkeitsrate wie Infektionsgefahren für lebensbedrohende Krankheiten hoch sind, stehen männliche Gesichter höher im Kurs. Wo frau es sich leisten kann – vermutlich liegt Deutschland eher nahe dieser Spitzengruppe –, nimmt man gerne auch mal den genetisch mangelhaften metrosexuellen Mann zum Wohl der besser versorgten Kinder. DeBruine und ihr Team freuen sich: Wo frühere Studien nur die individuellen Vorlieben der Frauen ablesen konnten, gelang ihnen erstmals ein erhellender Blick auf die "systematische überkulturelle Variation der durchschnittlichen weiblichen Bevorzugung von Maskulinität". (jo)





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