Bislang köchelte die Wetterküche im tropischen Atlantik nur auf Sparflamme: Trotz ausgeprägt warmer Wassertemperaturen vor Westafrika und abgeflautem El Niño im Pazifik – und damit optimalen Bedingungen für Hurrikane – bildeten sich dieses Jahr bislang nur wenige Stürme, die zudem eher schwach ausfielen. Die Ursache könnte im Extremwetter über Teilen Europas und Asiens liegen.
Normalerweise rast dieser konstante Luftstrom wellenförmig über die mittleren und höheren Breiten der Erdkugel, doch treten immer wieder Blockaden auf, die die Jetströmung zum Stillstand bringen – mitsamt den darin befindlichen Hochs und Tiefs. Dies war im August der Fall, als sich der Jet über Russland nordwärts ausbeulte und konstant heiße Luft aus Afrika ansaugte, die Moskau und seinem Umland ein Hoch mit extremer Hitze und Dürre bescherte. Zugleich gelangte Pakistan in den Einflussbereich eines konstanten Tiefs mit feuchtkühler Luft, die auf ebenfalls feuchtigkeitsgeschwängerte Monsunausläufer traf: Der Dauerregen ließ letztlich die Flüsse über ihre Ufer treten.
Der Einfluss der Blockade reichte aber noch weiter, so Curry. Über Europa und Teilen Asiens stiegen Luftpakete auf, die – ihrer Feuchtigkeit beraubt – über dem Atlantik und Pazifik wieder herabsanken. Dadurch unterbanden sie aber den für die Geburt von Wirbelstürmen notwendigen Aufstieg feuchtwarmer Luftmassen über den Ozeanen. Erstmals seit 1966 entwickelten sich daher keine Taifune im östlichen Pazifik, und es blieb über dem Atlantik weit gehend ruhig. Erst mit dem Zusammenbruch der Jetblockade kehrte das Wettergeschehen zum jahreszeitlich typischen Verlauf zurück: Seit dem 21. August entwickeln sich wieder regelmäßig tropische Tiefs im Atlantik, von denen "Danielle" und "Earl" zum Hurrikan wurden.
Kommt die Wirbelsturmsaison langsam in Fahrt? Seit die Westwindzirkulation Ende August zu ihrer normalen wellenförmigen Ausprägung zurückgekehrt ist, bilden sich mehr ausgeprägte Tiefs im Atlantik. Zwei davon – wie hier "Earl" vor den Bahamas – erreichten sogar schon Hurrikanstärke.
Als mögliche Ursache zieht Mike Lockwood von der University of Reading einen Zusammenhang mit der gegenwärtig schwachen Sonnenaktivität in Betracht: Dies könne die Jetströmung anfälliger machen, so dass sie häufiger abgewürgt wird und sich sehr ortstreue Hochs und Tiefs einstellen. In den letzten 350 Jahren traten beispielsweise extrem kalte Winter überdurchschnittlich oft parallel zu mangelnder Sonnenaktivität auf. Die physikalischen Prozesse hinter diesem Phänomen liegen allerdings bislang noch im Dunkeln. (dl)






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06.09.2010, Günther Posch