Ganz selbstverständlich sprechen wir von "hellen" oder "dunklen" Tönen, obwohl rein physikalisch betrachtet nichts diese Übernahme aus dem Bereich der Farbenlehre rechtfertigen würde. Doch die Metaphernwahl ist keineswegs zufällig und nicht auf das Deutsche beschränkt: Überall auf der Welt scheinen Menschen dazu zu neigen, weiße Gegenstände mit hohen Tönen in Verbindung zu bringen und schwarze oder dunkelbraune mit tiefen.
Aber tun sie dies, weil sie durch Sprache oder Erziehung so geprägt wurden? Oder spielt die Biologie die entscheidende Rolle? Forscher um Tetsuro Matsuzawa von der Universität Kyoto und Vera Ludwig von der Berliner Charité demonstrierten nun, dass dasselbe Phänomen über Artgrenzen hinweg auch bei Schimpansen auftritt. Demnach scheint es sich tatsächlich um ein universelles Phänomen des Primatenhirns zu handeln.
Die Wissenschaftler trainierten Schimpansen (Pan troglodytes) darauf, nach der Präsentation eines weißen oder schwarzen Quadrats auf ein ebenso eingefärbtes Feld zu tippen. Dies gelang den Tieren dann am besten, wenn gleichzeitig der passende Ton eingespielt wurde.
Sollten die Affen jedoch beispielsweise auf ein schwarzes Feld tippen, während ein hoher Ton abgespielt wurde, ließen sich die Tiere irritieren, und die Fehlerrate stieg an. Ebenso erging es den zu Vergleichszwecken getesteten menschlichen Probanden. Bei ihnen stieg die Reaktionszeit an, sobald die Helligkeit des Felds nicht zum Hintergrundton passte.
Nun vermuten die Wissenschaftler, dass es sich bei dem Phänomen um ein Nebenprodukt des Mechanismus handelt, mit dem das Primatengehirn Sinnesreize verschiedener Modalitäten – also etwa Tonhöhe und Helligkeit – verarbeitet. Bei Individuen, bei denen diese Verknüpfung besonders stark ausgeprägt sei, könne es zur Synästhesie kommen. Synästheten nehmen bei bestimmten Klängen vor ihrem inneren Auge bewusst Farben oder Formen wahr. Wie genau das Gehirn diese Assoziation zwischen den Sinnesreizen bewerkstelligt, ist allerdings nicht geklärt.
Die Verknüpfung von Klängen mit Farben, Formen oder anderen Eigenschaften der Welt hat vielleicht auch bei der Sprachentstehung eine Rolle gespielt. Die Klangsymbolik könnte beispielsweise dem Entstehen erster Wörter Vorschub geleistet und eine vorsprachliche mündliche Verständigung ermöglicht haben. (jd)





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1. Blödsinn, es gibt keine hellen und dunklen Töne
05.12.2011,Aber damit hat das Experiment wohl nicht funktioniert...
2. nicht unbedingt Eigenschaft des Gehirns
05.12.2011,Dem ist nicht so. Zunächst gibt es einen Zusammenhang zwischen "hoch" und "tief" und der Tonhöhe. Geräusche, die von weiter oben kommen, werden von den Ohrmuscheln anders reflektiert und gewissermassen gefiltert als solche die von unten kommen, das liegt daran dass die entsprechenden wahrnehmbaren Wellenlängen im Bereich der Größe des menschlichen Ohrmuscheln liegen und diese nicht symmetrisch gegenüber Veränderungen der Höhe sind. Das kann man gut nachmessen an sogenannten Außenohrübertragungsfunktionen, oder Head Related Transfer Functions, die recht ausführlich untersucht wurden, z.B. von Richard Duda. Töne von weiter oben klingen also tatsächlich heller.
Sodann ist es so, dass der Himmel heller ist als die Erde, Gegenstände die weiter oben sind sind meist gut beleuchtet. Also hell = oben und dunkel = unten. Also ist auch hell mit einer hohen Tonhöhe assoziiert und dunkel mit einer niedrigen. Und unser Gehirn arbeitet nun mal assoziativ.
Bleint zu hoffen, dass der Artikel korrigiert wird.
3.
06.12.2011, Günter Buchwald, Freiburg4. Farben und Tonhöhen
06.12.2011, Werner Gauß, Freiburg