Essay
Die Mär vom Jungbrunnen
Namhafte amerikanische Wissenschaftler warnen vor den Angeboten der boomenden Anti-Aging-Industrie.
Bruce A. Carnes, Leonard Hayflick und S. Jay Olshansky
In letzter Zeit jedoch ufern die Angebote der so genannten Anti-Aging-Medizin bedenklich aus, und Jung und Alt greift massenhaft auf die höchst verlockenden Fitnessversprechungen zu. Eine inzwischen fast unübersehbare Palette angeblich wissenschaftlich gestützter Kuren und Mittel aller Art drängt auf den Markt, wobei das Internet gewinnstrebenden Anbietern den Kundenkontakt noch leichter macht.
Diese Entwicklung beobachten wir mit Sorge. Darum haben wir uns gemeinsam mit einer größeren Anzahl unserer Kollegen aus der Alternsforschung entschlossen, eine warnende Stellungnahme zu veröffentlichen. Die Menschen sollen wissen, dass sich bisher nach allen wissenschaftlichen Erkenntnissen keine einzige der heute vermarkteten Maßnahmen dafür eignet, das natürliche Altern zu verlangsamen, aufzuhalten oder gar rückgängig zu machen. Manche der angepriesenen Methoden können sogar gefährlich werden. Viele Biologen, die intentiv über die Ursachen des Alterns forschen, hoffen zwar, tatsächlich einmal auf Mittel und Wege zu stoßen, die den Alterungsprozess hinauszögern. Dadurch würde die Gebrechlichkeit im Alter später einsetzen und eine gute Lebensqualität bliebe länger erhalten. Wer allerdings heute schon behauptet, er hätte dergleichen Produkte parat, der irrt entweder oder er lügt bewusst. In dem hier abgedruckten Essay stellen wir drei Autoren unsere eigene Sicht dar.
Der Begriff "Altern" wird nicht einheitlich gebraucht. Wir verstehen darun-ter, dass sich im Laufe


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