Mit Hilfe der Technik sollen Waldrappe ihre alten Zugrouten wieder erlernen und die ausgerottete Art damit im Alpenvorland neu angesiedelt werden.
Die damals verhängnisvolle Vertrautheit möchte der Österreicher Johannes Fritz mit seinem Team nun zum Vorteil des Vogels nutzen – und ihn nach über 350 Jahren wieder im Alpenvorland ansiedeln. Sein Ziel: in einem momentan europaweit einzigartigen Projekt die Tiere mit technischer Hilfe nach Italien zum Überwintern zu leiten und damit eine alte Zugroute wiederzubeleben. Als Leiter des Projekts "Waldrapp" und Pilot schwingt sich der Biologe deshalb regelmäßig mit einem Ultraleichtflugzeug in die Lüfte, um den schwarzen Ibis von Österreich und Bayern an die Küste der Toskana zu bringen: "Seit 2004 geleiten wir Tiere systematisch mit Fluggeräten in den Süden." Auch jetzt sind er und seine Kollegen wieder mit elf Waldrappen unterwegs – in der Luft unterstützt vom frischgebackenen Paragleiter-Weltmeister Walter Holzmüller.
Amy und die Wildgänse als Vorbild
Fritz, Holzmüller und Co können sich bei ihrem Vorhaben auf einen erfolgreichen Kinofilm als Vorbild berufen: In "Amy und die Wildgänse" aus dem Jahr 1995 brütet die Hauptdarstellerin ein verwaistes Gänsegelege aus und weist den Jungen später selbst den Weg ins Winterquartier. Dieser Film beruht wiederum auf einem erfüllten Kinderwunsch des kanadischen Künstlers und Erfinders Bill Lishman, der nichts mehr wollte, als sich mit Vögeln in die Lüfte zu schwingen. Wegen einer Sehschwäche durfte er allerdings nicht Pilot werden, sein Traum vom Abheben mit den Vögeln starb jedoch nie – und erfüllte sich endlich im Oktober 1993: Als "Vater der Gänse" hob er nach langen Tüfteleien mit einem Ultraleichtflugzeug ab, eine Gruppe Kanadagänse im Gefolge. Über tausende Kilometer leitete er den Trupp sicher von Kanada nach Süden.
Auch einige Europäer wie Christian Moullec ließen sich von diesem Durchbruch inspirieren. Der französische Tierschützer will die vom Aussterben bedrohte Zwerggans (Anser erythropus) retten, indem er einige Tiere mit einem Ultraleichtflugzeug von Finnland nach Mitteleuropa lenkt, wo sie im Gegensatz zu ihrem traditionellen südeuropäischen Überwinterungsgebiet nicht gejagt werden. Sein Projekt hängt jedoch seit Jahren in der Schwebe.
Ab in den Süden
Johannes Fritz ist dagegen umso erfolgreicher. Seit 2004 leitet er mit seinem Team nun schon erfolgreich Waldrappe von Oberösterreich über die Alpen an die Küste der Toskana, und ab 2007 begann er das Gleiche mit im Zoo nachgezüchteten Ibissen von Burghausen aus. Seit Mitte August befinden sie sich auf dem Weg und haben nun Venedig erreicht: "Mit unseren elf Vögeln haben wir nun gut die Hälfte der Flugstrecke hinter uns", freut sich der Projektleiter über die Fortschritte. Denn ganz problemlos startete die Unternehmung dieses Jahr nicht. "Mehr als einen Monat lang wurden wir dieses Jahr am Training gehindert, als die Vögel flügge geworden sind, weil das Wetter so schlecht war. Mit Beginn der Migration waren wir uns überhaupt nicht sicher, ob die Tiere den Fluggeräten folgen oder nicht. Aber mittlerweile läuft es recht gut."
Zurück geht es allein
Den Weg nach Hause finden die Vögel dann nach dem Winter allein. Bis es allerdings so weit ist, dauert es noch ein paar Jahre: "Momentan haben sich schon 30 Waldrappe in der Laguna de Orbitello in der Toskana eingefunden – alles Jungvögel, die wir in den letzten Jahren dorthin geleitet haben. Bis sie volljährig sind, bleiben sie dort und streifen nur umher. Erst wenn sie geschlechtsreif sind, geht es zurück", so Fritz.
Der Pilot muss sehr langsam fliegen, damit ihm die Vögel folgen können – eine Herausforderung an Mensch und Technik.









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