Kultur hinterlässt – zur Freude der Archäologen – Spuren. Lohnt sich daher, eine neue Wissenschaft namens "Schimpansen-Archäologie" zu etablieren? Genau das versuchte Boesch zusammen mit dem Archäologen Julio Mercader von der kanadischen Universität Calgary und weiteren Kollegen aus den USA: Im Taï-Nationalpark begannen die Forscher im Jahr 2001 mit archäologischen Methoden nach den Überresten verloren gegangener Schimpansen-Kulturen zu graben.
Die Radiokarbondatierung der entsprechenden Schichten ergab ein Alter von 4300 Jahren. Sie gehören damit in eine Zeit, die in Afrika als "Later Stone Age", also "Jüngere Steinzeit" bezeichnet wird. Konsequenterweise schlagen die Wissenschaftler vor, die Epoche der von ihnen gefundenen Relikte als "Schimpansen-Steinzeit" zu bezeichnen.
"Es ist nicht klar, ob Menschen und Menschenaffen diese Steinzeittechnologie von einem gemeinsamen Vorfahren übernommen haben"
(Julio Mercader)
Damit können die Schimpansen Westafrikas auf eine Werkzeugtradition zurückblicken, die über 200 Generationen zurückreicht. Und die von manchen Wissenschaftlern vorgebrachte These, die Tiere hätten ihre Künste lediglich von einheimischen Bauern abgekupfert, gilt als widerlegt, da es in der Region vor 4000 Jahren keine menschlichen Siedlungen gab.
(Julio Mercader)
Vielleicht reicht die tierische Werkzeugkultur sogar noch weiter zurück, wie Mercader spekuliert: "Es ist nicht klar, ob wir Menschen diese Art der Steinzeittechnologie erfunden haben, oder ob beide, Menschen und Menschenaffen, sie von einem gemeinsamen Vorfahren übernommen haben."







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