Diesen Erklärungsansatz durch fundierte Freilandbeobachtungen wiederum zu widerlegen, erwies sich als schwierig, da die Riesenabendsegler in mehreren hundert bis tausend Metern Höhe jagen. Deshalb gingen die Wissenschaftler den indirekten Weg, indem sie mit Hilfe der so genannten Stabilisotopenanalytik der typischen Nahrung der Fledermäuse und ihrer jahreszeitlichen Veränderung nachspürten. Stickstoff- und Kohlenstoff-Isotope beispielsweise lassen relativ genaue Rückschlüsse auf die Diät der Tiere zu – vor allem, wenn man gleichzeitig die jeweils vorliegenden Verhältnisse im Blut mit den entsprechenden Werten von 13C und 15N im Gewebe von Insekten und Vögeln vergleicht.
Mit dieser Strategie haben die Riesenabendsegler anscheinend eine einmalige Nische gefunden, denn bislang ist weltweit keine weitere Tierart bekannt, die nachts gezielt Jagd auf Zugvögel macht – obwohl dies eine ergiebige Nahrungsquelle darstellen würde. Und dies erklärt vielleicht auch einige biologische Muster, die Nyctalus lasiopterus einmalig unter Europas Fledermäusen macht: Mit 50 Gramm Gewicht und 45 Zentimetern Flügelspannweite zählt sie zu den größten wie schwersten der Erde, was ihre Ernährung beeinflusst und das Erbeuten größerer Tiere erst ermöglicht. Und sie lebt nur an wenigen Stellen im Mittelmeerraum – dort, wo sich die wichtigsten Zugbahnen konzentrieren. Trotz dieser nächtlichen Gefahr sollten die Zugvögel aber nicht auf den Tag ausweichen: Der Blutzoll an die menschlichen Jäger liegt wohl deutlich höher.








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