Lange Zeit konnten Weißkopfseeadler nicht mehr erfolgreich brüten, weil DDT ihre Eierschalen ausdünnte und Küken bereits im Ei absterben ließ. Seit dem Verbot des Pestizids geht es aber wieder steil aufwärts mit dem Vogel.
Die bewegte Naturgeschichte der Inseln lässt sich aus den Isotopendaten gut erkennen: Über mehr als 20 000 Jahre hinweg bevorzugten die Seeadler nicht Fisch als Nahrungsmittel, sondern erbeuteten vor allem Seevögel, die in Massen an den Klippen der Kanalinseln brüteten. Als Siedler dann Mitte des 19. Jahrhunderts Schafe einführten, stiegen die Greifvögel auf das leichter erhältliche Aas verendeter Nutztiere um – ein Diätwechsel, der sich in den Knochen in geringeren Kohlenstoff-13- und Stickstoff-15-Werten niederschlug.
Das Leben auf den Kanalinseln hat den Graufuchs stark schrumpfen lassen. Die nur katzengroßen Tiere sind daher begehrte Beute von Adlern.
Am stärksten fürchten die Ökologen jedoch, dass sich eine ausbreitende Seeadlerpopulation bei Futterengpässen über den vom Aussterben bedrohten Insel-Graufuchs (Urocyon littoralis) hermachen könnte: Die nur katzengroßen Raubtiere leiden ohnehin schon unter Krankheiten wie Tollwut, die erst vor kurzer Zeit auf die Inseln gelangt ist, und unter den Nachstellungen von Steinadlern, die die Füchse bevorzugt erbeuten: Ein weiterer Beutegreifer könnte endgültig zu viel sein für die Füchse. Allerdings hielten die stärkeren Weißkopfseeadler vor ihrem Aussterben die Steinadler von den Eilanden fern, da sie mit diesen erfolgreich um Nistplätze konkurrierten. Auf Dauer könnte dieser Wettbewerb vielleicht den Insel-Graufüchsen nützen – wenn der eine Adler den anderen wieder verdrängt und dadurch den Jagddruck verringert. (dl)






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