Viele Gründe, ein Auslöser
Bisweilen wollen Viehzüchter auf diese Weise Weiden für ihre Tiere gewinnen. Und wieder andere Pyromanen erhoffen sich anschließend eine Arbeit in der Wiederaufforstung, die oft mit Geldern der Europäischen Union subventioniert wird und in Süditalien deshalb häufig die Mafia anlockt. Auf Gran Canaria machte ein Forstarbeiter Schlagzeilen, der aus Wut zündelte, weil sein Vertrag im Herbst auslief – und selbst Feuerwehrleute lassen sich zu diesen Taten hinreißen, um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Nur selten dagegen sind Blitzschlag, die Selbstentzündung vermodernder Pflanzenreste oder Funkenflug bei Steinschlag die Auslöser.
Vor allem die Spekulation um Bauland hat nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF dazu geführt, dass sich seit 1960 die Zahl der Feuer im Mittelmeergebiet vervierfacht hat. Doch dies ist nicht der einzige Grund: Seit damals hat sich auch die Wald- und Buschfläche in der Region deutlich vergrößert, da viele kleine landwirtschaftliche Betriebe in abgelegenen Gebieten, auf ungünstigem Terrain, aber auch im Einflussbereich wichtiger Industrie- oder Tourismusstandorte aufgegeben wurden. Satellitenbilder und Kartierungen zeigen, dass sich in Südeuropa die von Kiefernwäldern oder Macchien bewachsenen Bereiche teilweise um ein Drittel ausgeweitet haben.
Falsche Feuerpolitik
Dies lässt sich auch im Westen der Vereinigten Staaten beobachten, wo lange eine Politik der Feuerunterdrückung wie am Mittelmeer praktiziert wurde: Einmal entzündet, entwickeln sich viele dieser Störereignisse rasch zu Naturkatastrophen, die große Waldgebiete auf einen Schlag vernichten. Ein Blick über die Grenze nach Baja California, das im Norden klimatisch dem Mittelmeergebiet ähnelt und kein derartiges Managament kennt, zeigt hingegen, wie es unter natürlichen Bedingungen aussähe: Statt großer verheerter Areale liegt hier ein regelrechter Flickenteppich aus verschiedenen Erholungsstadien der Vegetation nach einem Brand vor – sie bilden zum Teil sehr effektive Brandschutzdämme. Häufige leichte Brände reduzieren zudem die Menge an geeignetem Brennstoff.
Pflanzen brauchen Feuer
Was von uns Menschen meist als Unglück angesehen wird, ist für die Vegetation jedoch meist ein Segen. Feuer war in allen mediterranen Regionen der Erde ein wichtiger Einflussfaktor der Evolution, an den sich viele Pflanzenarten effektiv angepasst haben – bisweilen sind sie sogar lebensnotwendig darauf angewiesen. Sternkiefern oder Korkeichen besitzen eine sehr dicke Rinde, um sich immun gegen die Hitze der Flammen am Boden zu machen. Zistrosen wiederum benötigen Feuer, damit ihre Samen auskeimen können. Die Baumheide wäre ohne die hitzige Störung im Konkurrenzkampf mit überschattenden Bäumen hoffnungslos unterlegen und treibt nach einem Brand rasch aus ihren Wurzelstöcken neu aus. Andere Pflanzen wiederum überleben als Knollen oder Samen im Boden und nutzen anschließend die entstandenen lichten Freiflächen zur neuerlichen Vermehrung. Ähnliches gilt für die Tierwelt, in der etwa die zahlreichen Grasmücken und Laubsänger auf Macchien angewiesen sind, während sie in den Wäldern von nordeuropäischen Arten verdrängt werden.
Die Bedenken der Naturschützer spiegeln demnach den wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht wider. Sie zielen wohl auch eher auf die befürchtete Bebauung der Gebiete ab, die aus Naturlandschaften verstädterte Zonen macht. Zudem setzen die Brände viel Kohlendioxid frei, das die Erderwärmung antreibt. Deshalb ist es auch erforderlich, dass die maßgeblich betroffenen Länder endlich ihre eigenen Gesetze strikter durchsetzen, nach denen verbrannte Waldflächen in ihrer Nutzung nicht umgewidmet dürfen. Auf den Prüfstand muss ebenso die Politik der Europäischen Union, die die Wiederaufforstung finanziell fördert. Diese Gelder locken nicht nur Spekulanten an, sondern unterstützen die Pflanzung ungeeigneter Baumarten wie Kiefern und Eukalyptus anstelle der natürlichen Erholung der Vegetation und legen damit die Basis für neue Brände. Denn gerade Eukalyptuswälder brennen wie Zunder, wie die Feuerkatastrophen aus Portugal im Jahr 2003 zeigen: Während sie in Asche fielen, blieben viele alte Korkeichenhaine fast unversehrt.Ur







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